Inhaltsverzeichnis
Zum Geleit
Verhängnisvolle Fahrt
Rettungstransport nach Herisau
Die Arbeit eines Viszeralchirurgen: Ein Einblick in den Alltag
Als die Welt über mir zusammenbrach
Dreizehn Tage auf der Intensivstation
Verlegung auf die Station
Ironie des Schicksals
Austrittsbericht Spital Herisau (kann bei Bedarf eingefügt werden)
Rehaklinik Dussnang
Austrittsbericht Geriatrische Rehabilitation
Nach Hause
Stoma-Zurückverlegung
Wieder Daheim
Bericht Sprechstunde vom 9.12.2024 (kann bei Bedarf eingefügt werden)
Verkehrsmedizinisches Gutachten vom 9.5.2025 (kann bei Bedarf einge-fügt werden)
Fazit
Genesungs-Gedanken
Korrespondenz und Genesungswünsche
Leserbrief Spitex Verein Appenzell
Herzlichen Dank
Rückmeldungen zu diesem Bericht
Zum Geleit
Der Bericht schildert ein Ereignis aus meinem bisherigen interessanten und abenteuerlichen Leben, in dem auch einige Schicksalsschläge zu verzeichnen sind, wie derjenige am 5. Juni 2024, als ich um 7.50 Uhr auf dem Heimweg mit dem Auto einen fatalen Selbstunfall baute.
Der Report ist allen Ärztinnen und Ärzten, Pflegefach- und Physiofachkräften, Feuerwehrleuten, Rettungs- und Polizeiorganen sowie beherzten Helferinnen und Helfern gewidmet, die ihre Tätigkeiten als Mission begrei-fen, sich manchmal selber in Gefahr begeben und dabei an ihre körperlichen und mentalen Grenzen stossen, damit Verunfallte gerettet werden und wieder genesen können. Ihnen allen gebührt meine tiefe Hochach-tung, denn sie haben mir und zahlreichen anderen zur wiederkehrenden Gesundheit und lebenswerten Form verholfen.
Dafür danke ich allen von Herzen!
Zudem will die Geschichte Menschen in widrigen Situationen ermutigen, nicht zu verzweifeln und in der Verletzung steckenbleiben, sondern sich immer wieder aufraffen, frischen Mut schöpfen, gesund werden wollen, das Leben in allen Situationen annehmen und zuversichtlich an der Gene-sung mitwirken.
Verhängnisvolle Fahrt
Wie schon einige Male zuvor, schaute ich dieses Mal zu Haus und Hof von einem Kollegen, der dadurch beruhigt ein paar Tage Ferien machen konnte. Wenn es das Wetter zuliess und wir Lust dazu hatten, konnten meine Frau und ich seinen Grill benutzen. Am 5. Juni 2024 verzogen sich über dem Alpstein die letzten Wolken und es schien ein schöner Tag zu werden, also geeignet zum Grillieren. Bereits nach sechs Uhr parkierte ich mein Auto vor dem schmucken, ehemaligen Bauernhaus, fütterte danach die Seidenhühnchen, nahm die Eier aus den Gelegen, entfernte die Schnecken von den Gemüsebeeten und schaute, ob sonst alles in Ordnung war. Nach erledigter Arbeit fuhr ich um halb acht Uhr zum COOP in Appenzell, um Fleisch und Beilagen für unseren Grillnachmittag einzukau-fen.
Die Heimfahrt stellte mein Leben auf den Kopf. Als Bewegungsmensch wurde ich von einer auf die andere Sekunde zum Bettlägerigen degradiert. Beim Einbiegen in die Hauptgasse verlor ich plötzlich das Bewusst-sein, fiel mit dem Oberkörper auf das Lenkrad und betätigte wahrscheinlich mit dem rechten Fuss das Gaspedal - in der 30er Zone. Mit ungebremster Geschwindigkeit prallte ich nach etwa 180 Metern beim Lands-gemeindeplatz zuerst in eine am Boden verankerte Sitzbank, die total zertrümmert wurde, und danach in die dahinterstehende Hauswand, die merkwürdigerweise keine Beschädigungen aufwies. Gemäss Polizeiaussa-ge muss anhand des Totalschadens am Auto die Geschwindigkeit beim Aufprall 50 bis 60 Km/h betragen haben. Ich hatte enormes Glück im Unglück, dass ich alleine im Auto war, sich keine Passanten am sonst beleb-ten Landsgemeindeplatz befanden und niemand auf der Bank sass. Nicht auszudenken, wenn durch meinen Unfall andere Menschen zu Schaden gekommen wären. Wie ich diese Tortur verkraften könnte, muss ich Gott sei Dank nicht durchmachen. Beim Polizeirapport erfuhr ich, dass zu dem Zeitpunkt ein Passant zwischen der Sitzbank und der Hausmauer stand und glücklicherweise rechtzeitig auf die Seite springen konnte und ausser einem grossen Schrecken nichts davontrug. In Anbetracht aller Umstän-de des tragischen Ereignisses müssen wohl mehrere Schutzengel mit mir unterwegs gewesen sein die dafür sorgten, dass nicht noch Schlimmeres geschehen ist.
Artikel im Appenzeller Volksfreund vom 6. Juni 2024.
75-Jähriger fährt Bank auf dem Landsgemeindeplatz zu Schrott
Ein 75-jähriger Autolenker ist auf dem Landsgemeindeplatz in Appenzell verunfallt. Er musste mit Verdacht auf innere Verletzungen in Spitalpflege gebracht werden, wie die Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden mitteilte.
Am Mittwochmorgen kurz vor 8 Uhr, war ein 75-jähriger Mann mit seinem Auto auf der Hauptgasse von Westen her in Richtung Dorfzentrum unterwegs. Aus noch nicht geklärten Gründen fuhr er in eine Sitzbank auf dem Landsgemeindeplatz und anschliessend in die dortige Hauswand. Der Au-tolenker zog sich mittelschwere Verletzungen zu und wurde vom Ret-tungsdienst Appenzell in Spitalpflege gebracht. Das Unfallfahrzeug wurde sehr stark beschädigt, es flossen Flüssigkeiten aus. Im Einsatz stand auch die Ölwehr der Stützpunktfeuerwehr Appenzell.
Zu mir gekommen bin ich, als mich jemand aus dem Auto gezerrt hatte und ich auf der danebenstehenden Bank sass. Dann wurde ich gefragt, ob ich sitzen oder liegen wolle. Was ich darauf geantwortet habe weiss ich nicht. Im Bewusstsein geblieben ist mir nur der ungeheure Schmerz im Bauch, die Atemnot, die blutenden Hände und die Ungewissheit, was passiert ist. Die Schmerzen nahmen derart zu, dass ich zwischendurch wieder ins Koma fiel. Jemand sagte, dass die Rettung im Anfahren sei und ich wach bleiben soll. Leicht gesagt, wenn man innerlich von den fast nicht ertragbaren Schmerzen schreit und hofft, endlich davon erlöst zu werden.
Rettungstransport nach Herisau
Kurz danach wurde ich auf eine Bahre geschnallt, und ins Ambulanzfahrzeug geschoben. Durch die angezogenen Gurten wurden die Schmerzen im Bauch- und Brustbereich noch unerträglicher. Die Rettungskräfte konnten ja nicht wissen, was für innere Verletzungen ich hatte. Ein Mann, den ich nicht erkennen konnte, fragte mich, ob ich Alkohol getrunken habe. Danach hielt er mir ein Röhrchen an den Mund und sagte: „Blasen sie, wenn sie nüchtern sind, ist das ein Vorteil für sie. Blasen sie stärker – noch stärker“. Das ist kein Vorwurf, sondern um aufzuzeigen, dass in jedem Arbeitsbereich auch in heiklen Situationen Vorschriften erfüllt werden müssen. Weil ich kaum atmen konnte, brachte ich lediglich ein gehauchtes Plustern zustande. Wie im Bluttest später nachgewiesen wurde, war ich alkoholnüchtern und hatte auch keine anderen Substanzen intus, die das Fahrverhalten beeinträchtigt hätten.
Das Schlimmste stand mir noch bevor: Der Transport ins Spital Herisau. Als die kurvenreiche Rumpelfahrt begann, wünschte ich mir ohnmächtig zu werden, doch immer hiess es: „Bleiben sie wach, halten sie die Augen offen, sie erhalten laufend Schmerzmittel. Jetzt sind wir schon in Hundwil, es dauert also nicht mehr lange.“ Für mich war es eine fast nicht enden wollende Qualreise, in denen die Sekunden zu Minuten wurden, die ich nicht einmal dem schlimmsten Feind wünsche. Dann zeigten die starken Schmerzmittel Wirkung, sodass ich die Ankunft im Spital Herisau nur noch bruchstückhaft wahrgenommen habe. Im Operationssaal bereiteten sich die „weissen Engel“ darauf vor, den polytraumatisierten Verunfallten aufzunehmen. Dann begann der Wettlauf der medizinischen Retter.
Der Begriff Polytrauma leitet sich von „poly“ (mehrfach) und „Trauma“ (Verletzung) ab. Ein Polytrauma liegt laut Definition vor, wenn mindestens eine Verletzung oder mehrere Verletzungen in Kombination lebensbedrohlich sind. Menschen mit einem Polytrauma fallen in die Rubrik „Schwerstverletzte“ und werden in der Regel wie folgt behandelt:
Die Arbeit eines Viszeralchirurgen: Ein Einblick in den Alltag
Die Arbeit eines Viszeralchirurgen ist sowohl vielfältig und herausfordernd als auch sehr erfüllend. In unserem Beruf tragen wir die Verantwortung für die chirurgische Behandlung von Erkrankungen und Verletzungen der inneren Organe, insbesondere des Bauchraums.
Jeden Tag beginnen wir unsere Arbeit gemeinsamen Teambesprechungen und Visiten auf der Station. Vor Operationen beantworten wir Fragen und klären über Risiken sowie mögliche Komplikationen auf. Ein wichtiger As-pekt unserer Arbeit ist es auch zu sensibilisieren und Vertrauen aufzubauen. Im Zuge der Erkrankungen stehen viele Patienten unter emotionalen Druck.
Unser Alltag im Operationstag sind oft geplante Operationen. An jenem Unfallstag von Herrn H. ist unser der Morgen im Operationssaal von der Meldung eines schweren Verkehrsunfalls unterbrochen worden. Schnellstmöglichst haben die Kollegen auf der Notfallstation Abklärungen durchgeführt. Aufgrund der Flüssigkeit und Luft im Bauchraum in der Bildgebung haben wir die geplanten Operationen unterbrochen und Herrn H. in unseren Operationssaal gebracht.
Ich erinnere mich gut an unseren ersten Kontakt in der Operationsschleuse unter der Wärmelampe. Herr H. war schmerzgeplagt mit einem „akuten Abdomen“, so dass wir nur kurz Worte wechselten. Er meinte, dass er früher sehr viel in den Bergen war und sagte: „Machen Sie, was notwendig ist“.
Die multiplen Darmverletzungen und Bauchdeckenverletzungen machten eine Konversion von einem minimalinvasiven Eingriff in einen Bauchschnitt notwendig. Nach Versorgung der Verletzungen und Verschluss des Bauches ging die Behandlung auf der Intensivstation weiter....
Wenn in einem Notfall ein Patient mit einem akuten Bauchtrauma, wie nach einem Verkehrsunfall, eingeliefert wird, ist schnelles Handeln gefragt. In solchen Fällen ist es entscheidend, eine präzise Diagnostik zu stellen, oft unter Zeitdruck. Hierbei arbeiten wir eng mit anderen Fachdisziplinen zusammen – Radiologen, Anästhesisten und Notfallmedizinern – um so schnell wie möglich zu einer gemeinsamen Entscheidung zu kommen.
Die chirurgische Behandlung von Bauchverletzungen erfordert Präzision und Erfahrung. Bei einer Operation arbeiten wir mit einem hochqualifizierten Team, das das Ziel verfolgt, den Patienten so schnell und sicher wie möglich zu behandeln. Mit modernen Techniken und innovativen Verfahren, die sich ständig weiterentwickeln, können wir oft minimalinvasive Eingriffe durchführen, die den Genesungsprozess beschleunigen und die Schmerzen reduzieren. Dennoch gibt es Situationen, in denen offene Eingriffe notwendig sind, um schwerwiegendere Verletzungen zu behandeln und lebensbedrohliche Zustände zu stabilisieren.
Für uns als Viszeralchirurgen endet unsere Arbeit nicht mit dem Verschluss des Bauches. Die postoperative Betreuung der Patienten ist entscheidend für den Heilungsprozess. Hierbei achten wir darauf, Infektionen zu vermeiden, die Wundheilung zu unterstützen und den Patienten auf dem Weg zur Rehabilitation zu begleiten.
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit ist die Aufklärung und Nachsorge. Wir ermutigen unsere Patienten zu einem gesunden Lebens-stil und zeigen ihnen, wie sie nach einer Operation ihre Lebensqualität zurückgewinnen können. Diese Fürsorge reicht über die rein medizinischen Aspekte hinaus; sie beinhaltet auch psychologische Unterstützung, die insbesondere bei schweren Verletzungen und der damit verbundenen emotionalen Belastung wichtig ist.
In unserem Beruf als Chirurg begegnen wir persönlichen Geschichten und Schicksalen, wie die von Herrn H., der dieses Jahr einen schweren Unfall hatte, und uns daran erinnert, wie bedeutend und unmittelbar unser Handeln ist.
Die Erfolge, die wir mit unseren Patienten erfahren, sind nicht nur das Resultat chirurgischer Fähigkeiten, sondern auch das Ergebnis von Teamarbeit und dem unermüdlichen Drang, das Leben der Menschen zu verbessern.
Dr. med. Sebastian Wolf
FMH-Chirurgie
Schwerpunkt Viszeralchirurgie
Chefarzt
Spital Herisau
Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden
Als die Welt über mir zusammenbrach
Vor der Not-OP wurde eine Computertomografie (CT) durchgeführt. Da-bei handelt es sich um ein schnittbildgebendes Röntgenverfahren aus verschiedenen Winkeln, das ein dreidimensionales Bild entstehen lässt und daher sehr genaue Details zeigt. Von weit her hörte ich eine Stimme: „Ich spritze jetzt das Kontrastmittel, es kann ihnen warm werden.“ Dann schwanden meine Sinne wieder. Im Moment, als ich aus der Apparatur gefahren wurde, öffnete ich die Augen und sah den runden Bogen der Anlage. Dann geschah es: Milliarden Tonnen von Betonpfeilern, Millionen Wolkenkratzer, die gesamte Welt, die aus schwerstem Gebälk bestand, stürzte über mir zusammen und dennoch wurde ich nicht unter dem gi-gantischen Trümmerhaufen begraben. Ich war geschockt und erschüttert ob der ungeheuren Massen, die lautlos und unaufhörlich auf mich stürzten und stürzten und stürzten…
Laut Experten können derartige Sinnestäuschungen durch chemische Reaktionen im Gehirn während einer Narkose oder unter Einfluss von starken Medikamenteneinnahme geschehen.
Dreizehn Tage auf der Intensivstation
Was die Chirurginnen und Chirurgen zusammen mit ihrem autorisierten Team an diesem Tag während der mehrstündigen Operation und den nachfolgenden Tagen und Nächte mit Fachwissen und Hingabe zu meiner Lebenserhaltung leisteten, ist ein Meisterstück. In welcher Priorität sie die komplexen Verletzungen durchführten grenzt an ein Wunder und ist fast nicht in Worte zu fassen. Ohne diese «weissen Engel», die selbstlos ihren Beruf ausüben, gäbe es mich nicht mehr. Dafür ist jeder Dank zu klein und doch bleibt mir nichts anderes übrig, als ihnen von Herzen zu danken, dass sie mir mit ihren beachtenswerten Fähigkeiten ein neues Leben schenkten.
Der Sicherheitsgurt im Auto, der mir mit grosser Wahrscheinlichkeit das Leben rettete, hat mir zugleich die schlimmsten Verletzungen zugefügt, weil ich durch die Bewusstlosigkeit beim Aufprall keinen Reflex hatte, konnte der Gurt den gesamten Bauch- und Brustraum gegen die Wirbel-säule drücken.
Als ich aufwachte lag ich auf der IPS (Intensive Patienten Station), angehängt an sechzehn zu- und abführenden Schläuchen und Kabeln, versorgt mit einem Schmerzkatheter am Rücken (Periduralkatheter PDK), einem Venenkatheter an der Halsschlagader und einem an der rechten Hand, einem Blasenkatheter, genähten Schnittwunden an der linken Hand und einem Korkzapfen grossen Loch am rechten Ellbogen, sowie Schürf- und Quetschwunden am rechten Fuss, am linken Arm und an den Hüften, Blutergüssen am Unterleib, auf der linken Bauchseite ein Stoma (künstlicher Darmausgang), dazu ein gebrochenes Schlüssel- und Brustbein, am linken Oberarm eine Manschette, über die alle 20 Minuten der Blutdruck gemessen wurde und am rechten Mittelfinger eine Klammer, welche die Sauerstoffsättigung mass. Eine Blinddarm Entzündung werde ich zeitle-bens nicht mehr bekommen, denn der Auslöser dafür wurde (nebenbei) entfernt. Ans Bett gefesselt, unfähig mich zu bewegen, kam es mir vor, als sei ich ein aus der Zeit Gefallener und Gefangener im eigenen Körper.
Dass damals mein Leben mit dreizehn Prozent Überlebenswahrscheinlichkeit an einem seidenen Faden hing, erwähnte weder ein Arzt noch jemand aus dem Pflegeteam. Das erfuhr ich erst zuhause, als ich den Aus-trittsbericht vom Spital Herisau erhielt. Vielleicht erklärt das auch, weshalb bei der ersten Visite im Spital neun Ärztinnen und Ärzte mit teils nachdenklichen Gesichtern um mein Bett standen. Anderntags sagte die Oberärztin, dass es gut geendet habe, sei einem grossen Teil meiner Fitness zuzuschreiben.
Nachdem ich realisiert hatte wo ich war und was passiert ist, fasste ich den Entschluss, meine Gedanken und die kommenden Ereignisse niederzuschreiben. Einerseits konnte ich aber wegen meinen geschwollenen Händen und andererseits wegen der starken Schmerzmittel, die mich zeitweise regelrecht betäubten, keine Empfindungen notieren. Deswegen gingen tiefgreifende Emotionen und Begebenheiten von damals verloren, weil ich sie später nicht mehr erklären konnte.
Vorerst konzentrierte ich mich auf meine Genesung. Dass der Weg zu meiner gewohnten Form zurückzufinden kein einfacher sein wird, wurde mir schnell bewusst, als mich die Oberärztin über meine Verletzungen in-formierte. Um mich selbst zu motivieren, habe ich mir jeden Tag ein Ziel gesetzt, auch wenn es manchmal nur ein kleines war. Dass mit Liegenbleiben auf dem Weg der Besserung kein Fortschritt verzeichnet werden kann, ist mir als sportlich veranlagter Mensch schon immer bewusst gewesen. Bewegung und Zielstrebigkeit sind ein wesentlicher Bestandteil, um fit zu bleiben oder zu neuer Frische zu gelangen.
Während ich kraftlos auf der Intensivstation im Bett lag, hatte ich genügend Zeit zum Nachdenken. Dass ich den Unfall überlebt habe, ist keine Selbstverständlichkeit und zeigt Gründe auf, dankbar zu sein. Dankbar, dass ich dadurch keinen anderen Menschen Schaden zugefügt hatte, dass ich derart professionell operiert und danach fürsorglich gepflegt wurde - und dass ich noch lebe. Ich hätte Zeit gehabt zu betrauern, was nicht mehr geht, was verloren gegangen ist. Doch zur körperlichen Wiederherstellung ist vorwärts schauen eine der wichtigsten Grundlagen. Zudem kann man ohnehin nichts ändern an dem, das seinen Lauf nimmt. Daher nutzte ich die Zeit, mich mit dem Gesundwerden zu befassen, mir darüber Gedanken zu machen, was noch möglich sein kann, wenn alles gut verläuft und ich meinen positiven Teil dazu beitrage. Negatives blendete ich so weit wie möglich aus.
Wenn man ans Bett gebunden und auf pflegerische Hilfe angewiesen ist, sich mit nichts beschäftigen kann, gilt es darauf zu achten, dass das Leben nicht inhaltslos wird. Die Palette meiner Tätigkeiten war begrenzt. Lebenswichtiges erledigten die getreuen Pflegekräfte. Als ich etwas kräf-tiger wurde, beschränkten sich täglichen Aktivitäten auf Aufstehen, Körperpflege, Essen, Lesen und Schreiben. Abwechslung boten gelegentliche Ausflüge in die eigene Gedankenwelt. Sie durchbrachen die träge dahinfliessende Zeit.
Wenn die Schmerzen zunahmen, konnte ich in Abständen von zwanzig Minuten auf einen Knopf drücken und mir damit eine zusätzliche Dosis Morphium, quasi ein Bonus, verabreichen. Diese wunderbare Einrichtung verlieh mir eine winzige Art von Selbständigkeit, über meinen Körper entscheiden zu können, ob er „etwas“ brauchte oder nicht. Nachdem man das Morphin abgesetzt hatte, bekam ich ein Morphinpflaster (transdermales Pflaster mit Fentanyl) auf die linke Brust geklebt, das drei Tage lang wirkte. Danach mussten „normale“ Schmerzmittel ausreichen.
Schon kurz nach der Operation kam die Stoma-Fachfrau an mein Bett und erklärte mir minutiös, was ich über meinen künstlichen Darmausgang wissen musste.
Mit dem aus dem Griechischen stammenden Begriff „Stoma“ (Mund oder Öffnung) werden operativ geschaffene Körperöffnungen bezeichnet. Ein Stoma wird vielfach auch „Anus praeter“ oder künstlicher Darmausgang genannt. Um den Ausgang für die künstliche Körperöffnung zu schaffen, wird ein gesunder Abschnitt des Darms nach aussen geleitet und dort mit der Bauchhaut vernäht. Das Stoma enthält weder schmerzempfindende Nerven noch willkürlich steuerbare Muskeln. Die Aufgabe eines Stomas besteht in erster Linie darin, die durch die Operation verloren gegange-nen Körperfunktionen zu ersetzen. Beim künstlichen Darmausgang wird je nach Lage des Stomas zwischen „Colostoma“ (Dickdarmausgang) und „Ilestoma“ (Dünndarmausgang) unterschieden. Bei meinem handelte es sich um den Dickdarmausgang, weil ein Teil des Dickdarms stillgelegt werden musste.
Wie das Wohlbefinden bei gesunden Menschen nicht zuletzt auf einer ausgewogenen Ernährung beruht, ist es auch bei Personen mit einem Stoma ein wesentlicher Faktor. Nachdem ich nicht mehr künstlich ernährt wurde, bekam ich Vollkost, das heisst, dass ich alles essen durfte, musste aber aufmerksam auf die Reaktionen des Verdauungstrakts achten. Un-verträglichkeiten bekam ich relativ schnell in den Griff, weil ich die Be-obachtungen aufschrieb und daher gewisse Lebensmittel meiden konnte.
Der Ausspruch „Im Bett wird man nicht gesund“, den ich als Titel für die-sen Bericht wählte, stammt von Dr. Sebastian Wolf, Chefarzt der Chirurgie im Spital Herisau, den er mir bei der ersten Visite nach meiner Operation ans Herz legte. Der Ratschlag hat mich beeinflusst, immer wieder aufzustehen und mich zu bewegen, auch wenn es anfangs Überwindung kostete, weil es wegen der fehlenden Kraft angenehmer gewesen wäre liegen zu bleiben. Doch war ich überzeugt, dass es sich bezahlt macht und ich dadurch schneller genesen werde.
Zugegeben, einfach ist es nicht, wenn jemand zuvor nicht sonderlich aktiv war. Sobald man aber spürt, dass dadurch Fortschritte erreicht werden, kommt Freude auf und motiviert einen weiterzumachen. Wir Menschen brauchen Ziele und Erfolgserlebnisse, um gesund zu bleiben oder genesen zu können. Daher ist es wichtig, dass wir jede uns zur Verfügung stehende Zeit sinnvoll nutzen und wann immer möglich «mit Schwung» verbringen. Fehlt das freudige, Auftrieb verleihende Empfinden beim Gelingen von etwas, das nicht leicht zu bewältigen ist, taucht die Frage nach dem «Wozu» auf und die Motivation, sich zu bewegen, schwindet dahin.
Zwei Tage nach meiner Einlieferung passierte mir etwas vom Ekelhaftes-ten, das man sich vorstellen kann. Weil Magen und Darm ihre Funktion einstellten, kam der Inhalt, der normalerweise hinten raus geht, die Speiseröhre hoch. Mehr dazu will ich nicht berichten, denn wie es weiterging ist abscheulich. Deshalb mussten mir die Pflegekräfte eine Magensonde legen. Mit Drehbewegungen wurde der dünne, flexible Schlauch durch die Nase entlang des natürlichen oberen Verdauungsweges, also durch Rachen und Speiseröhre zum Magen vorgeschoben. Dabei musste ich mich etwas nach vorne neigen und wurde zum Schlucken aufgefordert. Am Schluss fixierten die Pfleger das Schläuchlein mit einem Pflaster auf dem Nasenrücken. Zehn Tage musste die Absaugung ihren Dienst verrichten, bis sie am Tag vor meiner Verlegung auf die Station entfernt werden konnte.
Bereits am dritten Tag kam eine Ergotherapeutin, um mir zu zeigen, wie ich aufstehen musste, um auf die Bettkante sitzen zu können. Bei allen Versuchen konnte ich immer nur den rechten Arm gebrauchen, in dem am Ellbogen eine grosse Wunde klaffte, die erst zwei Wochen später genäht wurde. Der linke Arm durfte ich wegen des Schlüsselbeinbruchs sechs Wochen lang nur beschränkt bewegen. Deshalb war dieser Ergo-Lehrgang nicht einfach zu bewältigen, denn dazu sollte ich mich mit dem rechten Ellbogen auf der Matratze abstützen, das wegen der Wunde nicht gut ausführbar war. Die Therapeutin übte mit mir eine Technik, die es mir ermöglichte, mich im Bett aufzurichten, ohne dass dabei Bauch und Rücken zu stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Irgendwie schaffte ich es und konnte daher ein erstes kleines Erfolgserlebnis verbuchen.
An einem der ersten Tage auf der IPS fiel ich in ein Tief, an das ich mich selber aber nur vage erinnere. Erfahren habe ich es erst zuhause von meiner Frau. Sie schilderte mir, dass sie sich telefonisch nach meinem Zustand erkundigte. Daraufhin habe mir eine Pflegekraft das Handy gereicht, dass ich selber mit ihr sprechen konnte. Doch habe ich fast nur geweint, sodass sie praktisch kein Wort von dem was ich sagte verstanden habe. Danach habe sie noch einmal angerufen und von einer Pflegefachfrau den Bescheid erhalten, dass ich mich wieder beruhigt habe. Weshalb ich derart niedergeschlagen war weiss ich nicht. Womöglich hatte es mit meiner bewusst gewordenen Hilflosigkeit, den lebensbedrohli-chen Verletzungen und den verabreichten Opiaten zu tun.
Als ich Wochen später dieses Ereignis niederschrieb, wollte ich mehr über den Grund dazu erfahren und brütete intensiv darüber nach. Es war, als wäre ich ferngesteuert, selber keine Entscheidungen treffen konnte. Machtlos den Arzneimitteln ausgeliefert, die notwendig waren, um die teils immensen Schmerzen zu lindern. Lückenhaft kam die Erinnerung, dass mich eine ungeheure Angst erfasste, Ilse könnte daheim etwas passieren und ich hätte keine Möglichkeit ihr zu helfen. Was, wenn sie die Treppe runterstürzte und liegenblieb, beim Duschen ausrutschte oder ihr sonst etwas zustossen konnte und niemand zur Stelle ist? Über meinen eigenen Zustand machte ich mir absolut keine Sorgen. Ich war ja um-sorgt und gut aufgehoben. So kann ich mir drogenabhängige Menschen vorstellen, die keine Kontrolle mehr über sich haben, sondern nur noch in ihrer Umnachtung funktionieren. Deshalb ist es wichtig, schmerzstillende Präparate so bald als möglich abzusetzen.
Resignieren kam für mich auch bei früheren Unfällen nie infrage. Ebenso wenig dachte ich, dass ich einmal in ein Loch fallen würde. Für Ärzte und Pflegekräfte ist es jedoch nichts Auffälliges, wenn es eine Patientin oder einen Patienten erwischt. Schwäche, Schmerzen, Medikamente, Abhängigkeit, Ungewissheit und andere Begleiterscheinungen eines Traumas verändern das gelebte Verhalten. Im gesunden Zustand sind wir uns ge-wohnt, die eigene Beherrschbarkeit zu haben, es in uns nicht geschehen zu lassen, sondern uns dagegen wehren, damit wir unsere Gefühle kontrollieren und die Emotionen selber steuern können. Was vorteilhafter ist, muss jeder für sich persönlich entscheiden.
Es bestand der Verdacht, dass ich an der linken Hand und am rechten Fuss Frakturen haben könnte, deshalb entledigte mich der engagierte Pflegefachmann spontan von den Schläuchen und Kabeln der computergesteuerten Anlage und brachte mich um 20 Uhr im Spitalbett in den Röntgenraum. Anderntags stellte sich glücklicherweise heraus, dass keine neuen Verletzungen zu verzeichnen waren.
Wie in anderen Dienstleistungsbetrieben ist auch in Spitälern übers Wochenende reduziertes Personal anwesend. Für mich war am 8. und 9. Juni eine Pflegefachfrau aus einer anderen Klinik zuständig, die sich chirurgische Kenntnisse aneignen wollte und deshalb als Pflegeaushilfskraft tätig war. Zuerst sollte ich gewogen werden. Leider wusste die Gehilfin nicht, wie sie das anstellen musste und so lag ich über zwei Stunden abgedeckt im Bett, bis die Waage an Ort war und ich versuchen musste aufzustehen. Doch wie sollte ich nun als quasi frisch Operierter, mit noch nicht zugenähtem Bauch, einem gebrochenen Schlüsselbein, das noch nicht operiert ist, weiteren hinderlichen „Baustellen“ und angehängt an über einem Dutzend Schläuchen und Kabeln, in diese Sitzwaage kommen? Mit Schmerzen und teils schwindlig werdend gelang es mir dann doch, mit ihrer Hilfe auf die Bettkannte zu sitzen, danach aufzustehen und mit schlottrigen Beinen auf die Waage zu sitzen, die 87 Kilo anzeigte. Die acht Kilo über meinen Normalgewicht waren den Wassereinlagerungen im gesamten Körper zuzuschreiben. Die Hände waren derart geschwollen, dass ich mit dem Daumen die vier anderen Finger nicht berühren konnte.
Nach dem Wägen musste ich in einen verstellbaren Lehnstuhl wechseln, der jedoch so eingestellt war, dass ich nicht recht hineinpasste, von der Pflegehilfskraft aber nicht verändert werden konnte. Trotzdem hielt sie daran fest, mich eine Stunde darin sitzen zu lassen. Nach fünf Minuten hielt ich es wegen der Schmerzen im Gesäss, im Rücken und im rechten Bein fast nicht mehr aus. Meine Betreuerin, beinahe hilflos, sagte, sie habe Anweisung, dass ich täglich mindestens zwei Mal aufstehen müsse, weil das Liegen mir nicht weiterhelfe zu gesunden. Als ich nach einer Stunde kaum mehr richtig atmen konnte und wie ein Fragezeichen im Lehnstuhl hing, gelang es uns beiden mit Müh und Not, mich wieder ins Bett zu bringen. Mir graute vor dem Sonntag, denn es war niemand anders für mich zuständig. Sie beharrte darauf, die Prozedur von gestern zu wiederholen, was auch erfolgte. Als ich endlich halbwegs auf dem Stuhl sass, löste sie plötzlich die Arretierung der Rückenlehne, die mit einem Ruck nach hinten klappte und ich dabei fast aus dem Stuhl rutschte. Nach meinem barschen „Was ist denn jetzt schon wieder“, wimmerte sie, dass sie es mir nur bequemer machen wollte. Die Rückenlehne konnte sie danach nicht mehr in die frühere Stellung bringen, was mir in der Schieflage ein noch unbequemeres Sitzen bescherte. Ob das Prozedere für dem Heilungsverlauf dienlich war, ist eine andere Frage. Aufgeatmet habe ich erst, als sie sich beim Schichtwechsel mit den Worten von mir verabschiedete, dass sie nur das Beste für mich wollte. So wie es aussah, war auch sie erleichtert, dass diese „Schnuppertage“ zu Ende waren. Im Grunde tat mir die Fachkraft leid, die in ihrem angestammten Bereich sicher ausgezeichnete Arbeit leistet, auf diesem Fachgebiet jedoch ohne kompetente Begleitung überfordert war.
Am nächsten Tag musste ich mithilfe zweier Pflegekräfte wieder aufstehen. Als ich neben dem Bett stand, konnte ich nur noch sagen, dass mir schwindlig wird, dann kollabierte ich, wurde aber glücklicherweise von den Pflegern aufgefangen. Als ich wieder zu mir kam, lag ich mit hochgelagerten Beinen im Bett und schaute in ein halbes Dutzend Gesichter, die sich um mich versammelt hatten.
Um das gebrochene Schlüsselbein ruhigzustellen, wurde mir ein Ortho-Gilet verordnet, das ich Tag und Nacht fünf Wochen lang tragen sollte. Mit dieser Schulterorthese können die oberen Gliedmassen in einer Position ruhiggestellt werden, in welcher der Ellenbogen mit einem variablen Beugungswinkel am Körper anliegt. Danach sollte ich noch weitere drei Wochen eine Armtragschlinge tragen. Wegen dem künstlichen Ausgang auf der linken Seite war das Gilet aber hinderlich. Deshalb verzichteten die Pflegekräfte vorerst darauf, es mir anzulegen. Ob es danach verges-sen wurde ist mir nicht bekannt. Getragen habe ich das Gilet und die Armschlinge aber nie mehr. Meistens legte ich den linken Arm rechtwinklig auf den Bauch oder liess ihn hängen. Probleme oder Schmerzen hatte ich deswegen keine.
Weil nicht alle Verletzungen zugleich verarztet werden konnten, wurde das Schlüsselbein erst am 11. Juni unter Vollnarkose operiert und der offene Bauch mit 26 Stichen genäht. Die Vorbereitungen für diese Prozedur hatte ich in keiner Weise mitbekommen. Auch an das Aufwachen konnte ich mich schlecht erinnern. Irgendwann lag ich benommen im Bett und hatte keine Ahnung was passierte und wo ich war. Zwischendurch nahm ich Geräusche wahr und sah schemenhafte weisse Gestalten umherhuschen. Dann versank ich wieder in den nachwirkend narkotisierten Zustand. Die Arzneien erfüllten demnach ihren Zweck. Vier Tage später schloss der Chirurg dann noch die offene Wunde am Ellbogen. Somit war ich klinisch gesehen wieder „hergestellt“.
Eigentlich sollte ich am neunten Tag auf die Station verlegt werden, aber dort war kein Bett frei. Auch anderntags nicht, obwohl der leitende Arzt der IPS intervenierte. Irgendein Wert von mir musste bei einer der laufenden Untersuchungen nicht gestimmt haben, denn am 13. Juni musste ich mich einer Magnetresonanztomographie (MRI) unterziehen. Dabei handelt es sich um ein bildgebendes Verfahren, welches mittels einem starkem Magnetfeld und Radiowellen Schichtbilder des Körpers erzeugen kann. Bei dieser Untersuchungsmethode werden keine Röntgenstrahlen verwendet, das verwendete Magnetfeld ist deshalb gesundheitlich unbedenklich.
Am nächsten Morgen wurde mir von der Oberärztin mitgeteilt, dass schwere Bauchwandverletzungen mit Zerreissung der abdominalen Faszien (Teil der Bauchregion) festgestellt wurden, die an der linken Hüfte eine halben Fussball grosse Hernie (Bruch) und an der rechten Hüfte einen kleineren Bruch verursachten. So gesehen war es ein Segen, dass ich nicht schon vorher auf die Station kam, das dann auch der leitende Arzt eingestand. Tags danach erhielt ich noch eine Hiobsbotschaft, dass ich eine Lungenembolie gemacht habe und von da an drei Monate lang ein Medikament zur Blutverdünnung nehmen musste. Auch Rückenwirbel und Wirbelfortsätze könnten verletzt sein, müssten aber noch genauer untersucht werden. Im Bewusstsein, dass mein künftiges Dasein anders als das bisherige verlaufen wird, jedoch mit der festen Überzeugung, dass mein Körper in der Lage ist, die Energie auch für diese Ereignisse aufzubringen, konnte ich die erneute Diagnose relativ gelassen hinnehmen. Ab diesem Tag wurde ich über Nacht mit Sauerstoff versorgt, was ein Schläuchlein mehr bedeutete, an das ich mich gewöhnen musste.
Ich dachte so wenig wie möglich über das Vorgefallene nach. Ich fügte mich, nahm hin, was Ärzte und Pflegende an mir vollbrachten, liess keinen Raum für Dramatik zu, sondern bemühte mich um die Wiedererlangung meiner Gesundheit. Alles andere war zweitrangig. Es war mir wichtig, pragmatisch zu denken und zu handeln und mich den Umständen an-zupassen.
An einem sonnigen Nachmittag, Ilse und Klaus waren auf Besuch, beschloss mein Pfleger, dass der naturverbundene Patient einmal an die frische Luft müsse. Kurzerhand löste er die Kabel und Schläuche von den Computergeräten, schon schob er mich im Bett in den Lift und hinauf ging es auf die Dachterrasse. Es war herrlich den weiten Himmel zu sehen, den ziehenden Wolken zuzuschauen, den Wind im Gesicht zu spüren, Geräusche von Draussen wahrzunehmen und frische Luft zu tanken. Nach einer halben Stunde ging es wieder hinunter, wo ich meinem gewieften Helfer für den Ausflug herzlich dankte.
Nach dem Entfernen des Schmerzkatheters am Rücken verursachte mir der Einstich drei Tage lang ein Jucken wie der Stich von einer Stechmücke. Weil ich nur auf dem Rücken liegen konnte, war ein Kratzen an der verwünschten Stelle unmöglich. Eine beherzte Pflegefachfrau linderte mir dieses Beissen mehrfach mit dem Einreiben einer Salbe, die jeweils ein paar Stunden wirkte.
Bezüglich Körperpflege wollte ich unbedingt selbständiger werden. Weil ich nicht duschen durfte und der Bart immer länger wurde beschloss ich, diesen sage und schreibe nach 58 Jahren abzurasieren, was meine vife Pflegekraft in ein paar Minuten schaffte. Von nun an konnte ich mich ohne Hilfe gründlicher waschen. Auch das war etwas Spezielles und so wird mir der 16. Juni in eindrücklicher Erinnerung bleiben.
Eine Intensivstation (IPS) ist wie ein Bahnhof mit 24 Stunden Betrieb. Ständig ist etwas los. Auch tagsüber brennt das Licht. Nachts wird es teilweise nur etwas abgedunkelt. An Schlaf ist nicht zu denken, höchstens ein vor sich hin dämmern ist möglich, wenn man Beruhigungsmittel erhält. Doch auch dann kommt alle zwei Stunden die Pflegekraft vom Nachtdienst ans Bett, schaut nach dem Rechten und fragt, ob alles in Ordnung ist, was natürlich ein Privileg ist, wenn man schwerverletzt da liegt.
Im Raum standen sechs Betten. Kaum war eines frei, wurde es gleich wieder von einer frisch operierten Person besetzt. Ich lag im ersten Bett, direkt am Eingang, wo man (fast) alles was passiert mitbekommt und daher weniger Ruhe hat als in einem hinteren Raum. Einzig ein Sichtschutz Vorhang diente als Raumtrennung.
Ein Vorteil in dieser Abteilung ist jedoch nicht zu unterschätzen, denn egal, was man als Patient für ein Anliegen hat, es ist immer jemand zur Stelle, hat ein offenes Ohr und schaut, was im Rahmen der Möglichkeiten ausgeführt werden kann, wogegen auf der Station zuweilen geraume Zeit Geduld gefordert ist, bis eine Fachkraft nach dem Drücken auf den Rufknopf im Zimmer erscheint. Die letzten drei Tage auf der IPS verlegten mich die treubesorgten Pflegekräfte ins hinterste Bett, damit ich etwas mehr Ruhe hatte, das ich sehr schätzte und ebenso genoss.
Obwohl alle Fachkräfte überaus freundlich, hilfsbereit und äusserst kom-petent waren, hatte ich doch zu einigen ein besonders herzliches Verhältnis und freute mich immer, wenn ich sie beim Schichtwechsel erblickte und für die nächsten Stunden dankbar wieder auf sie zählen konnte.
Besonders während der Anfangszeit auf der Intensivstation, als ich mich kaum bewegen konnte und stundenweise an die Decke schaute, dachte ich viel an meinen Vater, der wegen mehreren Hirnschlägen über fünf Jahre lang teilweise gelähmt ans Bett gefesselt war und ohne Klage sein Schicksal mit grosser Geduld ertrug. Was zählten dann die wenigen Tage, denen es mir ähnlich erging, gegen das, was Vater vier Jahre daheim und mehr als ein Jahr in zwei Pflegeheimen durchmachen musste, bis er, 77-jährig, von seinem Leiden erlöst wurde und für immer einschlafen konnte?
Eine Woche lang wurde mittels EKG versucht, den Grund für den Bewusstseinsverlust, der zum Unfall führte, herauszufinden. Die Abkürzung EKG steht für Elektrokardiogramm. Dafür werden Messfühler am Körper befestigt und mit einem Aufzeichungsgerät verbunden. Es zeichnet vor allem auf, wie oft das Herz pro Minute schlägt (Herzfrequenz) und wie regelmässig es schlägt (Herzrhythmus). Im Weiteren kann die Analyse wichtige Hinweise geben, zum Beispiel auf eine Verengung der Herzkranzgefässe, einen Herzinfarkt oder auf Rhythmusstörungen wie Vorhof-flimmern. Die Untersuchungen lieferten aber keine Resultate, sodass die Ärzte lediglich Vermutungen anstellen konnten. Deshalb wurde mir bis auf Weiteres ein Fahrverbot ausgesprochen.
Verlegung auf die Station
Am 17. Juni wurde ich auf die Station verlegt. Mein Zimmernachbar nahm keine Notiz von mir. Auf dem Bettrand sitzend skypte er, anhand der Sprache, mit jemandem im Balkan. Danach erhielt er mehrere Anrufe oder rief nach heftigen Hustenattacken selber wieder an. Bis um 20 Uhr besuchten ihn einige Kollegen, schauten zusammen Fernsehen, un-terhielten sich lautstark und benutzten unser WC, als wären sie in ihrer eigenen Wohnung. Als morgens um halb zwei Uhr immer noch keine Ruhe war, weil er im Fernsehen eine Fussball Übertragung schaute, läutete ich der Pflege vom Nachtdienst, die auf meine Bitte hin den Vorhang um mein Bett zuzog und ihm danach erklärte, dass es nun an der Zeit sei, den Fernseher auszuschalten und das Licht zu löschen, weil der Bettnachbar Ruhe brauche. Zehn Minuten später hörte dann das Geflimmer end-lich auf. Im Laufe des Morgens wurde ihm mitgeteilt, dass er in den 3. Stock verlegt werde, das er ohne Regung zur Kenntnis nahm.
Nach der Morgentoilette kam eine Physiotherapeutin, um mit mir im Zimmer die ersten Gehversuche zu unternehmen. Mit enormer Anstrengung schaffte ich es mit ihrer Hilfe ein paar Meter bis zur Tür. Bevor ich mich wieder hinlegen konnte, musste ich noch eine viertel Stunde auf der Bettkante sitzen, das mir jedoch heftige Rückenschmerzen bereitete. Von diesem Tag an konnte ich die Mahlzeiten sitzend auf dem Bettrand einnehmen. Ein Fortschritt, den ich mir schon seit längerer Zeit wünschte.
Danach machte ich mithilfe der Therapeutin täglich ein paar Schritte mehr. Zuerst im Gang bis zu Hälfte und wieder zurück. Das nächste Mal schon die gesamte Länge. Auch waschen konnte ich mich selber. Hilfe brauchte ich nur noch, um den Stomabeutel zu leeren und die Stoma-Platte zu wechseln.
Am Nachmittag wurde ein neuer Patient aufs Zimmer verlegt, mit dem ich mich lebhaft unterhalten konnte, denn wir wohnten nicht weit voneinander entfernt. In der Nacht hatte ich aber weiterhin keine Ruhe, denn der Bettnachbar schnarchte nicht nur, sondern hatte erhebliche Atemprobleme, die laute, schnarrende Geräusche verursachten. Drei Nächte galt es noch auszuhalten, bis ich in einer Rehaklinik vielleicht in ein Ein-zelzimmer kam. Als ich mich am Freitag von ihm verabschiedete rief er mir zu: „Besuche mich in meinem kleinen Häuschen, wenn du wieder gesund bist, dann können wir weiter miteinander diskutieren“. Dazu sollte es leider nicht mehr kommen. Ein paar Tage später erhielt ich die traurige Nachricht, dass er zwei Tage nach meinem Austritt verstorben ist. Tragisch, doch vielleicht ist ihm nach seiner schweren Krankheit viel Leid er-spart geblieben. So wie ich ihn kannte und schätzte, werde ich ihn in Erinnerung behalten und später sein Grab besuchen.
Einen Tag bevor ich in die Rehaklinik Dussnang gefahren wurde, wurde mir von einer Spezialistin ein Halbfabrikat einer Rumpforthese (Stützkorsett) angepasst. Damit der Beutel vom Stoma frei ist, musste noch eine Aussparung angefertigt werden. Die Orthese mit Abstützung am Becken und am Rumpfbereich diente dazu, die Wirbelsäule zu stabilisieren und zu schützen sowie die Hernie auf der linken Hüfte zurückzuhalten, die durch das Zerreissen der Bauchwand unter dem Bauchnabel entstanden ist.
Danach kam noch die Stoma Beraterin, ersetzte die Platte und regelte bezüglich Stoma alles perfekt, damit die Pflegefachkräfte in der Rehakli-nik sich nicht gleich damit beschäftigen mussten.
Ironie des Schicksals
Die Hausmauer, in die ich prallte, gehört zum Haus der Galerie Carmela Inauen. Die begnadete Appenzeller Bauernmalerin stellte im Juni bis Au-gust im Spital Herisau ihre Werke aus. Die Vernissage im Empfangsbereich fand am 20. Juni, um 17 Uhr statt. Anstatt wie vorgesehen die Laudatio zu halten, lag ich verletzt im gleichen Gebäude auf der Station im 5. Stock und wünschte ihr von hier aus einen erfolgreichen Abend mit inte-ressierten Kunstfreunden.
Als mir Carmela und ihr Mann am Nachmittag einen Besuch abstatteten, sassen sie betrübt neben meinem Bett und konnten nicht fassen, was vorgefallen war. Für die Laudatio suchten sie keinen Ersatzredner. Car-mela, als begabte Wortführerin, hielt zusammen mit der Medienverant-wortlichen vom Spital eine Ansprache.
Hier wollte ich eigentlich den Austrittsbericht vom Spital Herisau platzieren, liess es aber wegen den sechs A4 Seiten und den meist ärztlichen Formulierungen sein. Stattdessen zitiere ich die lakonische Aussage von einer Fachkraft, die den Bericht studiert hatte: „Es wäre vorteilhafter gewesen, man hätte aufgeführt, welche Organe nicht verletzt sind, es hätte weniger Papier gebraucht.“
Rehaklinik Dussnang / TG
Die Rehaklinik Dussnang ist ein etablierter Anbieter von erstklassigen Re-habilitatiosleistungen. Unser interdisziplinäres Team, bestehend aus kompetenten Ärztinnen und Ärzten, Therapeutinnen und Therapeuten sowie Pflegenden, arbeitet gezielt nach den neusten medizinischen Erkenntnissen.
Die Rehabilitationsziele orientieren sich an der individuellen Gesamtsituation unserer Patientinnen und Patienten. Wir engagieren uns mit Freude, sie in ein selbstbestimmtes Leben zurückzubegleiten.
Neben den Rehabilitationsleistungen sorgen unsere modernen Zimmer, die Aufenthaltsbereiche, die Wellnesslandschaft und unser Kneipp- Angebot inmitten einer grossen Parkanlage für eine angenehme und wohlfühlende Atmosphäre.
Im Zuge Ihres Aufenthaltes erhalten Sie Therapie in Form von Einzelbehandlungen und Gruppentherapien. Die Häufigkeit von Therapien sowie die Therapierten wurden mittels wissenschaftlicher Daten und unserer Expertise für Sie zusammengestellt. Eine Teilnahme an sämtlichen Terminen ist für einen optimalen Behandlungserfolg unabdingbar.
Die Lokalität des Termins können Sie Ihrem Therapieplan entnehmen. Die Therapiezeiten, welche auf Ihrem persönlichen Plan angegeben sind, beinhalten alle mit dem Termin verbundenen Handlungen einschliesslich des administrativen Aufwandes und den Wegzeiten (der Therapeuten).
Hinweis: Als Reha-Patient-/in sind Sie verpflichtet an den Therapien teilzunehmen. Bei Terminabsage aus nicht medizinischen Gründen kann Ihre Krankenkasse die Übernahme der Kosten verweigern.
Auszug aus dem Rehaklinik Prospekt und dem Merkblatt für Reha-Patienten
Am Freitag, 21. Juni 2024 wurde ich mit der Ambulanz liegend in die Rehaklinik Dussnang chauffiert, wo 271 Mitarbeitende in 21 Berufsgruppen insgesamt 189 Patientinnen und Patienten betreuen. Wie zum Empfang läuteten um 12 Uhr die Glocken der nahegelegenen Kirche Maria Lourdes. Mit der fahrbaren Bahre wurde ich im Haus Toleberg in ein Doppelzimmer geführt. Fast gleichzeitig quartierte sich auch mein Bettnach-bar ein. Drei Stunden zuvor lag ich im Spital noch im Nachthemd im Bett und hier sass ich angekleidet auf einem Stuhl. Weil ich im Spital mit Hilfe der Therapeutin nur kleinere Strecken gehen konnte, wurde mir das Essen aufs Zimmer serviert. Da der Zimmerservice aber bereits vorüber war, brachte mir eine Therapeutin nach dem Eintrittsbefund ein Joghurt, damit ich bis zum Nachtessen etwas im Magen hatte. Mein Nachbar begab sich derweil mit dem Rollator in den Speisesaal.
Am Montag erschien die Ernährungsberaterin, die sehr darauf bedacht war, dass ich genügend und vor allem gesunde Kost zu mir nahm. Dazu verschrieb sie mir Proteindrinks, die mir helfen sollten, die Muskeln wieder aufzubauen.
Wenn ich hier über die Ernährung berichte, muss ich auch erwähnen, dass die Rehaklinik über eine ausgezeichnete Gastronomie verfügt. Das Küchenteam legt grossen Wert auf eine schonende Zubereitung und auf frische, regionale Produkte. Jeden Sonntag erhalten die Patienten einen Menu Wochenplan aufs Zimmer, auf dem sie markieren können, ob sie das normale oder das vegetarische Menu für das Mittag- und Nachtessen wünschen. Dazu kommt, dass der Speiseplan auf die individuellen Wünsche und ärztlichen Verordnungen der Patienten angepasst wird. So werden jeweils mehr als ein Dutzend verschiedene Verpflegungsarten zube-reitet, wie ich vom Zimmer-Service erfahren hatte.
Unsere Betten standen zwei Meter voneinander entfernt. An der gegenüberliegenden Wand waren zwei grossformatige Bildschirme montiert. Ich konnte nur hoffen, dass mein Zimmerkumpan ebenso wie ich kein Fernsehnarr war. Leider traf das nicht zu, denn kurz nachdem er wieder im Zimmer war, schaltete er die Glotze ein und diese flimmerte dann sage und schreibe bis um 22 Uhr, obwohl er zwischendurch einschlief. Was danach folgte war fast schlimmer als das, was ich bisher an fehlendem Schlaf erlebte: Er litt an Schlafapnoe!
Die lauten, undefinierbaren und unregelmässigen Atemgeräusche, die jeweils nach zwei bis drei Minuten einsetzten, fuhren mir durch Mark und Bein und zerrten an meinem letzten Nerv. Morgens um zwei Uhr hielt ich es nicht mehr aus und setzte mich im Gang auf einen Stuhl. Als mich die Pflegefachfrau vom Nachtdienst fragte, weshalb ich nicht im Bett sei, horchte sie auf meine Aufforderung hin an der Zimmertür, schüttelte den Kopf und sagte nur: „Furchtbar!“ Ausser einem Beruhigungstee, den sie mir anbot, konnte sie nichts weiter für mich tun. Später bat ich sie, mir Gehörschutzpfropfen zu bringen, die sie mir besorgte aber leider nichts nützten. Weil ich nur grundversichert bin, habe ich keinen Anspruch auf ein Einzelzimmer. Deshalb sagte ich der Ärztin, dass ich für den Aufpreis aufkommen werde.
Am Samstagmorgen wurde mir mitgeteilt, dass in nächster Zeit leider kein Einzelzimmer frei sei und ich bis Montag warten müsse, wenn die dafür zuständigen Angestellten wieder im Dienst seien, denn auch hier herrschte über das Wochenende reduzierter Betrieb. Also musste ich nochmals zwei Nächte mit Fernsehgeflimmer und Atemattacken aushar-ren, die ich wach, teils mit dem Kissen über dem Kopf und mehrheitlich im Gang verbrachte. Am Montag dann die niederschmetternde Nachricht, dass leider immer noch kein Einzelzimmer frei sei. Als sich dann die Chefärztin dafür einsetzte, erhielt ich am Nachmittag die erlösende Mitteilung, dass ich ins Haus Eugster in ein Einzelzimmer ziehen könne. Ich dankte allen dafür Verantwortlichen und war trotz meiner zahlreichen „Baustellen“ der glücklichste Mensch. Mein Zimmernachbar tat mir leid, denn als Betroffener merkte er selber nichts von seinen Anfällen, ausser dass er infolge des gestörten Schlafes an einer ausgeprägten Tagesmüdigkeit litt.
Der nicht förderlichen Situation im Zimmer konnte ich trotzdem etwas Positives abgewinnen. Während der Nacht ging ich mehrmals im Gang auf und ab und schaffte bis am Morgen neun Längen, das etwa 700 Metern entsprach. Zu verdanken hatte ich das zudem der couragierten Therapeutin, die mir am Tag nach meiner Einweisung einen Wanderstock von ihr zuhause brachte. Ohne diese Gehhilfe hätte ich es auf meinen wackli-gen Beinen und dem fehlenden Gleichgewicht sonst nicht weit geschafft. Ein weiterer zusagender Aspekt war, dass die störenden Schlafgeräusche meine Tinnitus Ohrgeräusche übertönten, die mich seit etwa 35 Jahren „begleiten“ und ich im Ruhezustand intensiver wahrnehme, als wenn ich beschäftigt und dadurch abgelenkt bin.
Am nächsten Tag ging es ans Treppensteigen. Vorerst langsam und zur Sicherheit die rechte Hand am Geländer. Nach einer fünfminutigen Ruhepause bewältigte ich die nächsten zwei Stockwerke bereits etwas flotter und sicherer. Einen Tag später erreichte ich vier Etagen ohne mich zwi-schendurch niederzusetzen. Tags darauf schaffte ich es ohne mich am Geländer zu halten und erfüllte damit mein Tagesziel. Solche kleinen Fortschritte motivierten mich jeweils, immer wieder aufzustehen, mich zu bewegen und Kraftübungen zu machen.
Anfangs Woche kam zwischen den verschiedenen Physiotherapie Einsätzen die Stoma-Beraterin ins Zimmer. Auch sie eine ausgezeichnete Pflegefachfrau, die ihr Metier beherrscht und grössten Wert auf Gründlichkeit legt, also auch darauf, dass ich ihre Anleitungen verstanden hatte. Damit ich mich intensiv mit meiner neuen Verdauungs- und Ausscheidungssituation auseinandersetzen konnte, händigte sie mir verschiedene Broschüren über Stoma und Colostomie aus. Danach besuchte sie mich jeweils ein Mal pro Woche und schaute, ob alles gut funktionierte.
Die teils lähmenden Schmerzen, das seit drei Wochen dauernde Schlafmanko, die immer neu bekanntwerdenden Verletzungen, der hektische 24 Stunden Betrieb auf der IPS, die permanenten Piepstöne der elektronischen Überwachungsgeräte und anderes mehr, beschäftigten mich bis anhin dermassen, dass ich gar nicht dazukam, mich mit meinem Zustand zu befassen. Das änderte sich nach der Umsiedlung ins neue Zimmer, wo ich mich sogleich ins Bett legte, die Augen schloss und mich endlich ein-mal ungestört ausruhen konnte. Die ungewohnte Stille erfüllte mich in einer Intensität, dass ich glaubte zu träumen.
Jeden Sonntag kam Ilse mit unseren Freunden Rita und Klaus auf Besuch, auf den ich mich immer riesig freute. Beim zweiten Mal ergriff mich beim Abschied im Park eine Traurigkeit, die ich so nicht kannte. Es war wie Heimweh, ein banges Sehnen, das in mir nagte, eine Bedrücktheit, die mir die Lebensfreude nahm. Ilse wollte mich aufs Zimmer begleiten, doch ich wehrte sie ab, wollte allein sein, weshalb weiss ich nicht. Als ich später auf dem Bettrand sass und mich wieder etwas gefasst hatte, wur-de mir klar, dass mich meine Einschränkungen belasteten und wenn ich mich nicht aufraffte, an einen emotionalen Tiefstand gelangen, im schlimmsten Fall sogar in Selbstmitleid versinken könnte. Also stand ich kurzerhand auf, ergriff meinen Wanderstock, verliess das Zimmer und begann Treppen zu steigen bis ich müde war. Während der schlaflosen Nacht rief ich mir in Erinnerung, was ich an gesundheitlichem Fortschritt seit dem Unfall bis jetzt erreicht hatte. Innert kurzer Zeit kamen mir etliche Erfolge in den Sinn. Weshalb also den Kopf hängen lassen, wenn es stetig aufwärts ging? Durch diesen selber verabreichten Motivationsschub konnte ich am Morgen erheitert aufstehen und mein Reha Programm mit frischem Elan fortsetzen.
Ein weiteres befreiendes Erlebnis ereignete sich am nächsten Tag, als die Seelsorgerin in mein Zimmer kam und mir aufmerksam zuhörte, als sie mich über die bangen Tage befragte und ich dadurch einen Teil des bis-lang Verdrängten aufarbeiten konnte. Nach und nach machte das bisher Ertragene neuem Wohlbehagen Platz. Als sie am Schluss für mich und meine Genesung betete, überkam mich eine Ehrfurcht an das neu geschenkte Leben und meine uneingeschränkten kognitiven Fähigkeiten, dass ich mich nach der tage- und nächtelang ertragenen Last, wenn auch immer noch erheblich versehrt, wieder als „ganzer“ Mensch fühlte.
Am 26. Juni wurde das Pflaster beim Schlüsselbein entfernt und danach die 26 Fäden der Bauchnaht gezogen. Achtzehn davon konnte die Pflegefachfrau ziemlich gut lösen. Für die restlichen acht um den Bauchnabel musste sie den Chefarzt beiziehen, weil diese bereits eingewachsen waren. Dafür musste die Pflegerin mit der Pinzette das Bauchgewebe herunterdrücken, damit der Arzt die Knoten durch die Verkrustungen ziehen konnte. Die schmerzhafte, knifflige Hantierung brachte nicht nur mich zum Schwitzen, sondern setzten auch dem Arzt etliche Schweissperlen auf die Stirn. Das sei seit langer Zeit die schlimmste Fadenentfernung gewesen, sagte er danach sichtlich erleichtert. Nach dieser Tortur war das nachträgliche Treppensteigen für mich dann fast ein Genuss.
Therapie-Zuweisungen
Weil über das Wochenende viele Angestellte frei hatten, fanden nur vereinzelte Therapien statt. Für mich stand am Samstag lediglich der Ein-trittsbefund für die Therapie und die Gruppentherapie auf dem Plan. Am Sonntag hatte ich „frei“. Am Montagmorgen meldete sich die Fachfrau für Ergotherapie im Zimmer. Neben Übungsanleitungen für die Mobilisation im Zimmer wollte sie mir einen Trainingsball geben, damit ich die linke Finger-, Hand- und Unterarmmuskulatur stärken könne, die durch den Schlüsselbeinbruch nur beschränkt bewegt werden. Beim Test, wie kräftig meine linke Hand noch ist, reichte sie mir ihre linke Hand, die ich derart drückte, dass es in ihrer Hand knackte und sie erschrocken vom Stuhl auffuhr. Als sie ihre Hand auf Intaktheit prüfte sagte sie sachlich, dass ich auf diese Therapie verzichten könne.
Dass 190 Patientinnen und Patienten nicht mit einer für sie massgeschneiderten Therapie rechnen können leuchtet ein. Zum grössten Teil ist das auch nicht erforderlich, denn die meisten sind nach Hüft-, Knie- oder Rücken-Operationen hier in Rehabilitation. Für meine Wiederherstellung wäre es meiner Meinung nach besser gewesen, wenn man mich bei der Einteilung im Therapieplan etwas individueller behandelt hätte. Doch wie im Flyer vermerkt ist, erhalten Patienten im Zuge ihres Aufenthaltes Therapie in Form von Einzelbehandlungen und Gruppentherapien, die von der Krankenkasse vorgeschrieben sind.
Insgesamt hatte ich 41 Therapietermine, davon waren 17 Gruppenthera-pien. Dazu kamen Eintrittsgespräche, Stomaberatung, Ernährungsberatung und Arztvisiten.
Dass gewisse Einteilungen für Gruppentherapien für mich nicht unbedingt von Vorteil waren, zeigt folgende Anmerkung:
Am 2. Juli, zwölf Tage nach meinem Eintritt in die Reha-Klinik wurde ich gemäss Therapieplan zur „Rückenschulung in Gruppe“ eingeteilt. Dabei wurde uns erklärt, was für Hilfsmittel man verwenden kann, um im Bett besser liegen zu können und wie man als versehrte Person aus dem Bett steigen muss. Ich sagte, dass mir diese Lektion bereits am 24. Juni bei der Ergotherapie im Zimmer erteilt wurde und wenn ich das nicht ge-schafft hätte, wäre ich jetzt nicht hier, sondern immer noch im Bett.
Am 26. Juni erhielt ich die zweite Ergotherapie im Zimmer und sollte am 3. Juli das gleiche Prozedere in der „Rückenschulung in Gruppe“ wieder-holen, an der ich mich aber von der Pflege entschuldigen liess.
Am 5. Juli wurde ich wieder in die „Rückengruppe“ eingeteilt und musste nach 15 Minuten den Raum verlassen, weil ich auf der Massageliege einerseits derart Schmerzen bekam und andererseits die Übungen mit meinen unterschiedlichen Verletzungen gar nicht mitmachen konnte.
Die gleiche Einteilung erfolgte für den 7. Juli, an der ich mich aus bekannten Gründen wieder von der Pflege entschuldigen liess.
Als ich das dem Chefarzt mitteilte, veranlasste er bei der Rehakoordination, dass mir mehr Einzeltherapien verordnet werden, was bei der nächsten Einteilung beachtet wurde. So kam ich doch noch in den Genuss von förderlichen Behandlungen.
Diese Massnahmen waren absolut super. Hervorzuheben sind hierbei zwei Atemtherapeutinnen, die mir verschiedene Atemtechniken beibrachten. Die Atmung ist die einzige Funktion des vegetativen Nervensystems, die wir bewusst und willentlich beeinflussen können. Über die Tiefe und den Rhythmus der Atmung können wir Einfluss auf Konzentration und Emotionen nehmen. Sehr hilfreich war für mich die Antistress-Atmung bei seeli-scher, geistiger oder körperlicher Angespanntheit, genannt Lippenbrem-se, die hilft, die Bronchien bei der Ausatmung zu stabilisieren und diese weit zu halten. Der erhöhte Innendruck und die leichte Stauung der Luft führen zu einer verlangsamten, längeren Ausatmung. Es wird mehr alte, verbrauchte Luft ausgeatmet, und somit die Überblähung der Lunge reduziert. Dabei wird die Luft durch die Nase eingeatmet und durch den ge-spitzten, nur leicht geöffneten Mund langsam und kontrolliert in „sss“- oder „pff“- Lauten ausgeatmet.
Ebenfalls erwähnenswert ist die von einer Atemtherapeutin geleitete Atem Hypnose, die eine knappe halbe Stunde dauerte. Danach hatte ich im rechten Sprunggelenk mehrere Tage keine Schmerzen mehr beim Gehen.
Auch die drei Massagen waren sehr nützlich, wodurch im Rücken die Verhärtungen vom langen Liegen etwas gelockert wurden und danach weni-ger Schmerzen verursachten. Ebenso förderlich waren die Übungen in der Gleichgewichtsgruppe und jene im Robotikraum am elektronisch gesteuerten Gerät. Jede Übung, die ich in der Physiotherapie erlernte und jede Anweisung, die ich von einer Therapeutin erhielt, führte ich wann immer es mir möglich war im Zimmer, im Bett, im Treppenhaus oder im Park weiter aus.
Die Stoma-Beraterin hatte mit dem Spitex-Verein Appenzell alles in die Wege geleitet, dass ich nur noch den Termin für die Vorabklärung erledigen musste. Telefonisch vereinbarte ich mit der Spitex, dass die Pflegefachfrau am 12. Juli bei uns zuhause vorbeikam.
Zwei Tage vor meiner Heimreise erhielt ich die Nachricht, dass ich leider noch einmal das relativ grosse Zimmer wechseln müsse, weil für ein Ehepaar ein zweites Bett dazukomme. Mir machte das überhaupt nichts aus, denn ich kam im Haus Tannenfrieden wieder in ein Einzelzimmer und erst noch mit Balkon und Sicht auf den Park mit dem urwüchsigen Baumbestand.
Es mussten noch die Fäden beim Stoma gezogen werden. Nachdem der zuvor kontaktierte Arzt vom Spital Herisau sein Einverständnis dazu gegeben hatte, machten sich die Fachfrau für Wundheilung, die Stoma-Beraterin, der Chefarzt und ein weiterer Arzt an die Arbeit. Auch hier waren wie bei der Bauchnaht die Hälfte der zwölf Fäden stark eingewach-sen. Was das bedeutete war mir klar, deshalb versuchte ich mithilfe der Atemtherapie ruhig zu bleiben. Damit die Prozedur schmerzfreier geschehen konnte, bestrich die Wundexpertin die betreffenden Stellen mit einer Betäubungscreme und deckte sie mit einem Okklusiv-Verband dicht ab. Als nach einer halben Stunde die Massnahme Wirkung zeigte, konnten die restlichen Fäden ohne grössere Probleme entfernt werden.
Als Abschluss wurden vom Arzt die zwei bis anhin verordneten Schmerzmittel auf die Hälfte reduziert, was ich sehr befürwortete. Am nächsten Tag setzte ich sie ganz ab, damit ich den Heilungsprozess besser kontrollieren konnte. Bei der Entlassung wurde mir ein Medikationsplan ausgehändigt, der insgesamt neun Präparate enthielt, die ich auf dem Heimweg in der Apotheke abholen konnte.
Am letzten Tag in der Reha erlebte ich, wie zum Abschied, eine tolle Überraschung. Am Spätnachmittag, als ich im Park meine Runden been-det hatte und mich dem Eingang näherte, kam ein Mann gestikulierend auf mich zu. Ich drehte mich um und dachte, dass es jemand anderem gelte, aber hinter mir war niemand. Dann erkannte ich, dass es mein früherer Berggefährte war, mit dem ich, zusammen mit vier weiteren Kameraden, 1983 während 60 Tagen Spitzbergen durchquerte. Freudig begrüssten wir uns und gingen danach auf mein Zimmer. Angeregt diskutierten wir über unsere gemeinsamen Erlebnisse und über manches, das sich in der Zwischenzeit zugetragen hatte. Mein Abendessen, das inzwi-schen gebracht wurde, teilten wir miteinander, wie früher, als wir zusammen in den Bergen unterwegs waren. Zum Dessert gab es knackige Kirschen, die er mitgebracht hatte. Nach dem gemütlich-interessantem Beisammensein verabschiedete sich mein Kamerad. Ich legte mich aufs Bett, freute mich über den Besuch und dachte an die grandiosen Touren, die wir miteinander erlebt haben.
Austrittsbericht Geriatrische Rehabilitation (gekürzt)
Epikrise
Bei Herrn Haberstich wurde ein multimodales Rehabilitationsprogramm innerhalb der muskuloskeletalen geriatrischen Abteilung, unter Berücksichtigung postoperativer Vorgaben des Operateurs durchgeführt. Durch Therapieanwendungen mit Entstauung, Geh-, Treppen-, Gleichgewichtstraining, isometrischer Rumpfstabilisierung, Anleitung zu rückengerechten Transfers und individueller Physiotherapie konnte die allgemeine Mobilität gesteigert werden sowie die Stabilität im Rumpfbereich verbessert werden. Die Mobilität wurde zunehmend gesteigert. Das Stoma förderte kontinuierlich bei leichter Retraktion. Dies wurde mehrmals mit den Operateuren rückgesprochen und als akzeptabel begutachtet. Die Fäden am Arm und am Abdomen wurden zeitgerecht entfernt, an der Claviculanarbe wurde resorbierbar genäht.
Status: Beeinträchtigung bei Eintritt. Schmerzen unter Belastung und in der Nacht. Mittelgradig ausgeprägte Gang- und Balancestörung, gepaart mit Dekonditionierung und somit erhöhter Sturzgefahr. Mittelgradig aus-geprägte Pflegeabhängigkeit in den basalen Aktivitäten des Lebens. Herr Haberstich ist freundlich zugewendet. Er ist in allen Bereichen orientiert. Sprache und Psyche sind unauffällig. AZ stabil. EZ normal. Rhythmischer Herzschlag, keine pathologischen Herzgeräusche auskultierbar. Keine a.p. Beschwerden. Pulmo: leise vesikuläre Geräusche, keine Rasselgeräusche, kein Giemen oder Stridor auskultierbar. Keine Dyspnoe. Abdomen: weiche Bauchdecke, keine Abwehrspannung, hat Schmerzen im Wundbereich. Fachspezifischer Befund: Die Wunde am Bauch leicht sezernierend, mit Fäden. Die Wunde am rechten Ellenbogen leicht sezernierend, mit Fäden. Wunde an der linken Clavicula mit leicht sezernierendem Integu-ment. Hämatome am unteren Rücken und im Bauchbereich. Stoma funktioniert.
Kurt Haberstich trat am 11.07.2024 nach Hause aus.
Unterstützung durch Spitex, organisiert für Stomaplattenwechsel alle 3 Tage sowie Beutel alle 2-3 Tage. Eine entsprechende Verordnung wurde erstellt.
Chefarzt Dr. med. Harry Gebhard
Nach Hause
Am 11. Juli, 36 Tage nach dem Unfall, durfte ich nach Hause. Pünktlich wie vereinbart parkierte Klaus um 9.15 Uhr vor dem Reha-Patienten-Portal. Weil ich bis dahin kein Handy besass, besorgte mir Klaus eines, damit ich künftig unterwegs bei einem Notfall telefonische Hilfe anfordern könnte (wenn es dann funktioniert). Auf der Heimfahrt fuhr er zuerst nach St. Gallen, um im Swisscom-Shop eine SIM-Karte dafür zu kaufen. Danach ging es nach Appenzell in die Apotheke, wo ich mich mit dem Rezept von der Rehaklinik mit Medikamenten eindecken musste. Dann konnte ich endlich meine liebe, treubesorgte Ilse in die Arme schliessen, die während meiner Abwesenheit bange Tage und Nächte tapfer durch-gestanden hatte und zuhause alles wie immer in Schuss hielt.
Wie von der Rehaklinik aus festgelegt, erschien am Tag nach meiner Ankunft daheim die Pflegefachfrau vom Spitex-Verein Appenzell Innerrhoden zur Vorabklärung bei uns daheim. Danach kam jeweils Dienstag und Freitag eine Team-Kollegin und wechselte mit geübten Handgriffen meine Stoma-Platte. Ohne die professionelle und lobenswerte Hilfe hätten meine Frau und ich nicht gewusst, wie wir diese gewissenhafte Tätigkeit selber bewerkstelligen könnten. Deshalb freuten wir uns jedes Mal, wenn es zwischen 10 und 12 Uhr klingelte und eine der motivierten, freundlichen und fachkundigen Pflegerinnen vor der Tür stand.
Als ich am 26. Juli zum ersten Mal in die Physiotherapie in Appenzell ging, schüttelte die Therapeutin, die vorgängig meinen Austrittsbericht vom Spital studierte, wegen meinen multiplen Verletzungen den Kopf und konnte nicht glauben, dass ich nach der kurzen Zeit schon dermassen gut in Form war, mehrstündige Spaziergänge unternahm und mit dem Rucksack einkaufen ging. Sie erwartete einen gebrechlichen alten Mann im Rollstuhl mit schwacher Stimme, der ohne fremde Hilfe nicht zurechtkam. Zudem staunte sie, dass die Chirurgen bei der geringen Überlebenschance wussten, was sie in diesem Bauch-Chaos vordringlich tun mussten, dass ich diesen Schaden überstehen konnte.
Überrascht war sie auch, dass ich den linken Arm problemlos bewegen konnte, als hätte ich gar keine Schlüsselbeinfraktur gehabt. Der Grund dafür liegt vielleicht darin, dass die Schulter nie ruhiggestellt wurde, sondern immer leicht beweglich war und die Muskeln sich dadurch nicht besonders versteifen konnten.
Durch das ständige Training konnte ich sieben Wochen nach dem Unfall bereits längere Spaziergänge im flachen Gelände unternehmen. Anfangs gemächlichen Schrittes und mit gelegentlichen Sitzpausen auf einem Stein oder auf einer Treppe. Ein paar Tage danach ging es schon zügiger und ohne Rast voran. Danach baute ich leichte Steigungen in mein Tage-sprogramm ein und konnte mich so jeden Tag an einem kleinen Erfolgs-erlebnis freuen. Beim ersten längeren Ausmarsch hatte ich mir aber einen ordentlichen Muskelkater eingefangen, dem es in meinen verküm-merten Bizeps mehrere Tage behagte.
Bei schlechtem Wetter, wenn ich weniger draussen unterwegs war, setzte ich mich am Balkon auf den Hometrainer und pedalte an Ort und Stelle ein paar Kilometer. Dieses vielseitige Training regte unter anderem den Herzkreislauf an, steigerte den Stoffwechsel, stärkte die Beinmuskulatur, schonte die Gelenke und förderte die Ausdauer. Ein weiterer Nutzen war, dass durch die Vorneigung des Oberkörpers Platz in der Engstelle der Wirbelsäule entstand, was den Schmerz reduzierte.
Um nach einer Krankheit oder nach einer Verletzung möglichst schnell wieder auf die Beine zu kommen, ist Eigeninitiative unverzichtbar. Ebenso wichtig ist es, die mentale Resistenz wiederherzustellen oder zu festigen. Ein Trauma setzt sich im Gehirn fest, deshalb ist es von Nutzen, viel darüber zu reden oder zu schreiben. Das Unsägliche zu formulieren versu-chen steigert die Aufarbeitung.
Was ich bei allen meinen körperlichen Einsätzen nicht vergessen durfte, war, dass ich mich danach immer hinlegen und ausreichend ausruhen musste, damit auch die verletzten inneren Organe ausheilen konnten oder wie meine Physiotherapeutin sagte, sich meine Inneneinrichtung wieder neu aufbauen kann. Obwohl mir derartige Erholungen bis anhin fremd waren, gehörten sie fortan zu meinem selbst erstellten täglichen Programm.
Am 2. August musste ich auf dem Polizeiposten in Appenzell vorsprechen, damit über den Unfall ein Abschluss-Protokoll erstellt werden konnte. Minutiös musste ich den Hergang, soweit ich mich erinnern konnte, schil-dern. Nach dem Unterzeichnen der Niederschrift versicherte mir der Ordnungshüter, dass ich von polizeilicher Seite her nicht mehr „belästigt“ werde.
Vor meinem Unfall war ich komplett eigenständig und oft im Alpstein oder anderswo auf Erkundungstouren unterwegs. Immer kam ich erfüllt mit interessanten Erlebnissen heim. Während der Genesung lief die Zeit für mich jedoch mehr oder weniger eintönig ab. Ausser den Physiotherapie-, Arzt- und Spitex-Besuchen, kurzen Wanderungen und vereinzelten Gesprächen unterwegs kam nicht viel Neues dazu. Abwechslung brachten E-Mails und Anrufe von Verwandten, Freunden und Bekannten, die sich nach meinem Gesundheitszustand erkundigten und von ihren Vorkommnissen berichteten, die jeweils etwas frischen Wind in meinen Alltag brachten. Auch durfte ich viele andere zwischenmenschliche Gefälligkeiten erfahren, weil ich bei gewissen Aktivitäten auf fremde Hilfe angewie-sen war, die mir in gesunder Lebenslage nicht zugekommen wären. Diese Zuwendungen trugen auch dazu bei, dass ich in jeder Hinsicht mein Möglichstes beitragen wollte, damit sich mein Befinden verbesserte. Dementsprechend stand ich jeden Morgen dankbar auf und freute mich, das Leben, auch wenn es in anderen Bahnen verlief als vorher, zusammen mit meiner fürsorglichen Ilse geniessen zu können.
Am 16. Juli erhielt ich einen Anruf aus dem Spital Herisau, wo man mich zur Röntgen-Kontrolle des operierten Schlüsselbeines erwartet hatte, ich aber nicht erschien, weil das Aufgebot zur Untersuchung an mich verges-sen ging. Der neue Termin wurde auf den 8. August festgelegt. Nach dem Röntgen war ich zur Besprechung beim Chirurg angemeldet. Zuerst lobte er meine „fabelhafte“ Wundheilung. Dann, auf die Röntgenaufnah-me verweisend, wo die Platte mit den zehn Schrauben deutlich zu erken-nen ist, erklärte er mir, dass sich nach einem Knochenbruch zwischen den Bruchstellen ein Kallus (Schwiele) ausbildet. Es handle sich dabei um ein vom Knochen gebildetes Narbengewebe. Im Idealfall verknöchere dieser Kallus nach einiger Zeit durch Kalkeinlagerung und es entstehe neues Knochengewebe. Bei meiner Fraktur waren erst Ansätze dazu er-kennbar, deshalb war er mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden, zeigte sich aber zuversichtlich, dass bis zum nächsten Röntgen-Kontrolltermin am 2. Oktober die Fraktur besser ausgeheilt sei. Ich bedankte mich bei ihm und hoffte, dass er recht hatte mit seiner Vorhersage.
Danach gestand ich ihm, dass ich das Ortho-Gilet und die Armschlinge keinen Tag getragen habe. Mit etwas vorgehaltener Hand antwortete er, auch er sei kein grosser Freund von diesen orthopädischen Bandagen. Man sehe ja, dass es auch ohne Gilet keine Komplikationen gebe, wenn der Arm anfangs nicht über 90 Grad bewegt werde.
Erstaunlich war auch, dass ich in der Physiotherapie dafür keine spezielle Behandlung brauchte, sondern den Arm und die Schulter in meiner bis-lang gewohnten Weise bewegen konnte.
Weiter teilte ich ihm mit, dass ich seit dem Unfall starke Rückenschmer-zen habe, die über das rechte Gesäss, teils bis zu den Waden ausstrahlten. Dann lud er die früheren MRI-Aufnahmen auf den Bildschirm und wies auf den Übeltäter hin: ein Bandscheibenvorfall, der, so hoffe er, mit Infiltration behoben werden könne. Dabei werde während der Computertomografie Kortison präzise in die betroffene Stelle gespritzt, damit sich die Schwellung zurückbilden könne. Dafür müsse ich 24 Stunden vorher die Blutverdünnungs-Tabletten absetzen. Wenn ich es für nötig halte, soll ich mich für einen Termin bei ihm melden.
Die Physiotherapie am 12. August war ein voller Erfolg. Dank der professionellen Gesäss-Massage hatte ich seit dem Unfall das erste Mal bis zum nächsten Termin am 19. August fast keine Rückenschmerzen mehr, die vorher bis in die Waden ausstrahlten. Eine Woche später machte die Therapeutin die gleiche Behandlung auf der linken Seite und ich war ge-spannt, ob die wohltuende Situation weiterhin anhalten würde.
Einen erneuten Termin im Spital Herisau für eine CT-Untersuchung (Com-putertomographie) hatte ich am 15. August. Pünktlich, wie bei anderen auswärtigen Terminen, holte mich Klaus zuhause ab. Nachdem ich vom Arzt eingewiesen wurde und das Spitalnachthemd angezogen hatte, setzte er mir den Venenkatheter, durch den das Kontrastmittel eingeführt wurde. Zugleich bekam ich von einem anderen Arzt einen Einlauf, ebenfalls mit einem Kontrastmittel versetzt, damit der Dickdarm auf den Bil-dern optimal dargestellt wurde. Anhand der medizinischen Bilddaten und meinem Gesundheitszustand werden die Chirurgen entscheiden, welche Operation als nächste durchgeführt werden kann. Ob es die Rückverlegung des Stomas oder das Netz sein wird, das als Ersatz für die teils zerrissene Bauchwand eingesetzt werden muss. Den Entscheid würde ich in der Sprechstunde bei der Chirurgin erfahren. Nach dieser einstündigen Untersuchung ging es mit meinem kameradschaftlichen Chauffeur bereits wieder heimwärts.
Die Besprechung zum CT-Untersuch fand am 20. August satt. Als ich im Korridor dem Chefarzt begegnete, überreichte ich ihm ein kleines Präsent und bedankte mich herzlich für den aussergewöhnlichen OP-Einsatz, den er mit seinem Team leistete, dass ich noch am Leben bin. Daraufhin sagte er bescheiden, wie man es nur von Menschen zu hören bekommt, die ihre Tätigkeit aus Berufung ausüben: „Wir machen nur unsere Arbeit, dafür sind wir da!“, bedankte sich und fügte lächelnd hinzu, dass wir uns nächstens ja wieder sehen werden.
Nach der herzlichen Begrüssung bei der Oberärztin, erklärte sie mir Schritt für Schritt das weitere Vorgehen. Als erstes werde das Stoma zu-rückverlegt. Der Netzeinbau werde zu einem späteren Zeitpunkt vorgenommen. Der Bauchschnitt erfolge an der gleichen Stelle wie zuvor. Die Operation sei kleiner als die vorgängige. Jedoch müssten die Verwach-sungen der genähten Därme in Ordnung gebracht werden. Die heikelste Stelle sei die Naht am Dickdarm. Wenn diese nicht hundert Prozent dicht sei, müsste vorübergehend ein Dünndarmstoma angelegt und die „Leckstelle“ instand gestellt werden. Wenn alles gut verlaufe, betrage die Hos-pitalisation etwa sieben Tage, dann könne ich nach Hause.
Der OP-Termin wurde provisorisch auf den 16. Oktober gesetzt. Das genaue Datum werde mir später schriftlich zugestellt. Am Vortag müsse ich den Darm komplett entleeren, wofür ich die entsprechenden Abführmittel erhalte. Die OP-Vorbesprechung werde am 10. Oktober im Spital Herisau durchgeführt.
Am 15. September waren es drei Monate her, dass ich wegen der Lungenembolie das Blutverdünnungsmedikament Xarelto einnehmen musste. Nun durfte ich es absetzen. Ab diesem Zeitpunkt konnten an mir wieder Eingriffe vorgenommen werden, ohne Gefahr zu laufen, dass zu starke Blutungen erfolgen würden.
Was ich mir erhofft hatte, dass zuerst das Stoma zurückverlegt wird, ist eingetreten. Auch wenn ich mich mittlerweile an das neue „Darmsystem“ gewöhnt hatte, war es ein erfreulicher Lichtblick auf dem Weg zu meinen körpereigenen Funktionen. Einerseits fiel dann das zwei Mal wöchentliche wechseln der Stoma-Platte durch die Spitex-Fachfrauen weg und andererseits erweiterte es meinen Aktionsradius, das meine Lebensqualität und Bewegungsfreiheit wesentlich verbesserte. Solange ich den künstlichen Ausgang hatte, hielt ich mich mehr oder weniger im näheren Umkreis auf, damit ich schnell zu Hause wäre, um den Schaden beheben oder Fachkräfte benachrichtigen zu können.
Nun konnten Ilse und ich uns mit dem Bevorstehenden auseinanderset-zen und waren im guten Glauben, dass auch dieser Eingriff durch das fachkundige OP-Team ohne Komplikationen verlaufen wird, wie es bei den zwei vorgängigen der Fall war. Zudem kannten mich die Ärzte inzwi-schen aus- und inwendig, wussten also wo es langgeht.
Die Zeit verlief ohne nennenswerte Begebenheiten. Meine Ausflüge wurden länger und die Leistungsfähigkeit nahm zu. Bei einem Rundgang besuchte ich das Grab von meinem Bettnachbar, der nach meinem Austritt im Spital Herisau gestorben war. Ich dachte an seine Zukunftspläne, von denen er mir erzählt hatte, wegen seiner unheilbaren Krankheit aber nicht mehr verwirklichen konnte.
Die positiven Auswirkungen der Physiotherapie-Massagen hielten löblicherweise an, weshalb ich vorderhand von einer Infiltration des Bandscheibenvorfalls beim Chirurg absehen konnte. Sollten die Schmerzen wieder auftreten, könnte ich mich jederzeit bei ihm melden.
Weil Ilse keinen Führerschein besitzt, holte sie Klaus seit Unfallbeginn bedingungslos mit seinem Auto zuhause ab und fuhr sie jeweils ins Spital Herisau und in die Rehaklinik Dussnang. Mich brachte er später ebenfalls kompromisslos an jeden ärztlichen Termin. Am Tag nach dem Unfall hatte er unser Totalschaden-Auto ausgeräumt und die Nummernschilder beim Strassenverkehrsamt hinterlegt. So ist Klaus in allen Belangen für uns da und wir können ihm dafür nicht genug danken.
Dass ich seither nicht mehr Autofahren konnte und daher alles, was es ausser Haus zu tun gab, zu Fuss erledigen musste oder den praktischen Publi Car Appenzell (Flexibler Rufbus mit Tür-zu-Tür Service) bestellen konnte, hat mich in keiner Art belastet. Es war eine Folge des Unfalls, das es zu akzeptieren und zu verarbeiten galt wie die anderen Erschwernisse. Weshalb also ein Problem aus etwas machen, das nicht lösbar ist. Freilich ist es angenehmer, wenn man jahrzehntelang unabhängig ist, in der Garage ins Auto steigen und alles schwuppdiwupp verrichten kann als mit dem Rucksack am Rücken auf Schusters Rappen unterwegs zu sein, mehr Zeit einrechnen muss und vieles nicht auf einmal verrichten kann. Ob ich später, wenn der ärztliche Befund positiv ausfällt und ich wieder Autofahren darf, ein Auto kaufen möchte, wusste ich zum damaligen Zeitpunkt nicht. Wenn es dazu kommt, sagte ich mir, ist es früh genug, mich damit zu beschäftigen. In erster Linie war mir wichtig, vollständig gesund zu werden, alles andere war Nebensache. Altersbedingt ist selber Autofahren ohnehin einmal vorbei. Wenn es früher eintrifft, dann ist es eben so wie es ist. Das Leben geht auch weiter, wenn ich nicht mehr hin-ter dem Steuer sitze.
Ähnlich ist es mit dem Bergsteigen. Irgendeinmal sind die Aufstiege zu steil, die Routen zu schwierig, die Risikobereitschaft gedämpft. Wenn ich die nächsten zwei Operationen gut überstehe, mich weiterhin ertüchtige und die Kondition bewahre, kann ich gewöhnliche Bergwanderungen wie-der schaffen. Anspruchsvollere Touren werden wahrscheinlich nicht mehr möglich sein. Gipfelerlebnisse finden dann überwiegend in der Erinnerung statt. Früher sagte ich immer „Alles zu seiner Zeit“. Diesem Leitspruch gilt es dann Folge zu leisten. Das Leben ist eine Herausforderung, bei dem alles angenommen werden muss, das Einst und das Jetzt. Was ich als passionierter Bergsteiger während den vergangenen 60 Jahren in hunder-ten Gipfelbesteigungen und Biwak Nächten an Abenteuer, Zielstrebigkeit, Widerstandskraft, Durchhaltvermögen, Disziplin, Entbehrungen, Verzicht und Reduktion auf das Wesentliche erlebt und bestanden habe, wird mir fortan Wegbereiter sein, das Unabänderliche anzunehmen, mich nicht von Einschränkungen aus der Bahn werfen lassen und mich weiterhin bestärken, das Beste aus jeder Situation zu machen.
Am 2. September unternahm ich eine Bahnfahrt ins Spital Herisau, um dem Pflegefachteam auf der Intensivstation zu danken, auf der ich nach der Operation dreizehn Tage verbrachte. Was sie während dieser Tage und Nächte mit Sachverständigkeit, Ausdauer und Hingabe zu meiner Lebenserhaltung leisteten, ist bewundernswert und mit Worten schwer auszudrücken. Ohne ihre professionelle Pflege wäre ich nicht so schnell auf die Beine gekommen. Weil auf der IPS nur Angehörige von Patienten Zutritt haben, musste ich mich anmelden. Kurz nach dem Läuten öffnete eine mir bekannte Pflegefachfrau die Tür und fragte nach meinem Anliegen. Als sie mich erkannte, hellte sich ihre ernste Miene auf. Nach der Begrüssung und einem kurzen Gespräch nahm sie das Geschenk für das gesamte Team freudig entgegen, verabschiedete sich und ging eiligst wieder an ihre erforderliche Arbeit. Einen Stock höher traf ich auf dem Flur «meine» Chirurgin, die mir mitteilte, dass der 16. Oktober als Stoma-Rückverlegungstermin definitiv sei. Sie kompensiere zwar in dieser Zeit ihre Überstunden, werde meinetwegen aber mit dabei sein und nach der Operation wieder nach Hause gehen. Unglaublich, was für ein Glück mir widerfährt, dass sich eine hochherzige und kompetente Oberärztin für meinen bevorstehenden Eingriff derart einsetzt. Auf meine Verwunderung und meinen Dank erwiderte sie schlicht, wie früher schon der Chefarzt, dass das nichts Besonderes wäre, sondern sie dazu da sei.
Am anderen Tag erhielt ich vom Sekretariat die schriftliche Bestätigung mit dem stationären Aufgebot für den Voruntersuch am 10. Oktober und den Eintritt für die OP am 16. Oktober.
Dass es mir zuhause so gut geht, ist zu einem erheblichen Teil meiner Frau zuzuschreiben. Seit 54 Jahre sind wir ein eingespieltes Team und haben während dieser Zeit nicht nur Erfreuliches erlebt, sondern auch etliche Hürden und Tragisches gemeinsam überwunden. Ob bei meinen früheren beruflichen oder freizeitlichen Aktivitäten, immer hat mich Ilse dabei unterstützt und ist mit ihrer bescheidenen Art in allen Belangen jeweils im Hintergrund geblieben. Das muss ihr erst einmal jemand nachmachen! Anspruchslos verrichtet sie auch heute noch sorgfältig sämtliche Arbeiten im Haushalt, verwöhnt mich mit ihren Kochkünsten und schaut fürsorglich, dass es mir an nichts fehlt. Ich erledige das Administrative und kann, ausser dass ich Arzt-, Physiotherapie- und Spitexterminen Folge leisten muss, jeden Tagesablauf nach dem Lustprinzip gestalten. Somit hatte ich keinen Grund jemals Trübsal zu blasen. Die jetzige Situation hat uns noch mehr zusammengeschweisst und wir schätzen es sehr, dass wir uns aufeinander verlassen können. Es ist ein Privileg, nach einer Ver-letzung im angestammten Zuhause gesunden zu können, denn es gibt keinen Ort in der weiten Welt, der uns die gleiche Geborgenheit vermit-teln kann, wie es ein heimeliges Daheim vermag.
Mittlerweile war ich durch das tägliche Training in der Lage, längere Strecken ohne Rast unterwegs zu sein. Zuhause legte ich mich danach immer mindestens anderthalb Stunden ins Bett, um mich zu erholen. Je nachdem wie ich mich drehte, hatte ich manchmal das Gefühl, ein Brett im Bauch zu haben. Wahrscheinlich verschob sich das Gedärme dabei und musste sich wieder neu ordnen. Für Bergwege war ich noch nicht gerüs-tet. Dazu fehlte mir die ausdauernde Kraft und die Trittsicherheit, besonders beim Abstieg.
Schmerzen bereitete mir gelegentlich das rechte Sprunggelenk, das ich bei einem früheren Unfall gebrochen und beim jetzigen Unfall womöglich etwas abbekommen hatte. Auch die rechte Schulter tat mir bei gewissen Bewegungen weh. Am Schlüsselbeinbruch spürte ich immer ein „Spannen“ und einige Stellen darum herum waren empfindungslos. Wegen dem Bandscheibenvorfall hatte ich Mühe mit bücken. Wenn ich etwas vom Boden aufheben wollte, musste ich in die Knie gehen. Für den Halt im Rumpf leistete mir das Stützkorsett gute Dienste, war jedoch unangenehm zum Tragen, weil es an den offenen Hüftstellen scheuerte, die deswegen erst nach neun Wochen ausheilten. Sonst aber kam ich mehr oder weniger gut über die Runden.
Die Chirurgin hatte mir geraten, nach der Stoma Zurückverlegung wegen wunden Stellen und möglichen Infektionen auf das Abwischen mit Papier nach dem WC-Vorgang zu verzichten und stattdessen das Saubermachen am besten unter der Dusche mit der Brause vorzunehmen. Bis nach der Operation wieder alles „normal“ funktioniere, könne es längere Zeit dauern. Deshalb liessen wir vom Sanitär ein Closomat (Dusch-WC, das automatisch den Analbereich mit Wasser spült) einbauen. Die Installation verlief problemlos, weil die Anschlüsse dafür schon beim Erstellen des Hauses vorgenommen wurden. Bereits nach einer halben Stunde verabschiedete sich der Elektriker und eine Stunde später räumte der Sanitärmon-teur seine Gerätschaften zusammen. Am nächsten Tag war das fachgerecht montierte WC einsatzbereit. Wie es sich anfühlt und welchen Nutzen es bringt musste ich abwarten, bis ich nach der Operation wieder zuhause war.
Am 9. September rief die Assistentin vom Medizinzentrum Appenzell an und teilte mit, dass mein Hausarzt der Therapeutin eine erneute Verordnung für mich zugestellt habe. Somit durfte ich auf weitere neun Behandlungen zählen, die mir durch gezielte Massagen und Akupunkturen die da und dort auftretenden Schmerzen linderten.
Vom Justiz- Polizei- und Militärdepartement des Kantons Appenzell Inner-rhoden, unterzeichnet von der Staatsanwaltschaft, erhielt ich am 18. September einen eingeschriebenen Brief. Grund des Schreibens war die „Nichtanhandnahmeverfügung“ bezüglich meines Autounfalls.
Der Strafbestand lautete: Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG, in Anwendung von Art. 310 StPO in Verbindung mit Art. 319 ff. StPO.
Es wurde verfügt, dass das Strafverfahren gegen Kurt Haberstich-Triendl wegen Verletzung der Verkehrsregeln durch Nichtbeherrschen des Fahrzeuges im Sinne von Art. Art. 90 Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 31 Abs. 8 StPO und Art. 54 StGB nicht anhand genommen wird.
Die Kosten des Verfahren gehen zu Lasten des Staates.
Begründung
1 Sachverhalt
Am Mittwoch, 5. Juni 2024, um ca. 7.47 Uhr, lenkte Kurt Haberstich seinen Personenwagen Hyundai, Kontrollschild-Nr. AI 10737, auf der Haupt-gasse, 9050 Appenzell, von der Blattenheimatstrasse herkommend in Fahrtrichtung Engelgasse. Auf der Höhe des Hotels Appenzell, kurz vor der Rechtskurve in Richtung Engelgasse, verlangsamte Kurt Haberstich das Tempo nicht und fuhr ungebremst weiter gerade aus. In der Folge prallte Kurt Haberstich mit seinem Fahrzeug ungebremst in die Hausfassade der Liegenschaft Hauptgasse 36 und in die davorstehende Sitzbank des Bezirks Appenzell. Bei diesem Selbstunfall zog sich Kurt Haberstich schwere innere Verletzungen zu, weshalb er hospitalisiert werden musste. An der Sitzbank des Bezirks Appenzell und am Personenwagen von Kurt Haberstich entstand Sachschaden.
Gemäss provisorischem Austrittsbericht des Spitals Herisau zog sich Kurt Haberstich beim Verkehrsunfall mit seinem Personenwagen am 5. Juni 2024 ein Polytrauma (stumpfes Abdominaltrauma und stumpfes Thoraxtrauma), Verletzungen des Bewegungsapparates und eine leichte traumatische Hirnverletzung zu.
Gemäss Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin am Kantonsspital St. Gallen vom 27. Juni 2024 war Kurt Haberstich im Zeitpunkt der Blutent-nahme alkoholnüchtern. Im Weiteren ergaben die forensisch-toxikologischen Analysen keine Hinweise auf eine verkehrsrelevante Substanzaufnahme. Eine Beurteilung der Fahrfähigkeit von Kurt Haberstich zum Zeitpunkt des Unfalls konnte jedoch nicht erfolgen, da das für eine solche Bewertung erforderliche Zustandsbild aufgrund fehlender zeitnaher Beobachtungen nicht erstellt werden konnte.
Die zuständige Behörde sieht gemäss Art. 8 StPO i.V.m. Art. 54 StGB von einer Strafverfolgung ab, wenn der Täter durch die unmittelbaren Folgen seiner Tat so schwer betroffen ist, dass eine Strafe unangemessen wäre.
Obwohl Kurt Haberstich durch sein Verhalten den Tatbestand der Verletzung der Verkehrsregeln durch Nichtbeherrschen des Fahrzeugs gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 31 Abs. 1 SVG erfüllt hat, sieht die zuständige Behörde von einer Strafverfolgung ab. Dies, da dem vorliegenden Sachverhalt eindeutig zu entnehmen ist, dass Kurt Haberstich durch die unmittelbaren Folgen seiner Tat so schwer betroffen ist, dass eine Strafe unangemessen wäre. Infolgedessen ist das Strafverfahren gegen Kurt Haberstich gem Ar. 310 Abs. 1 lit. c StPO i.V.m. Art 8 StPO und Art. 54 StGB nicht anhand zu nehmen.
Die Kosten des Verfahrens trägt der Staat.
Somit bin ich als Verursacher des Autounfalls unschuldig. Wir waren er-leichtert, besonders Ilse, weil sie den Lebensabend nicht mit einem Straftäter verbringen muss.
Inzwischen war ich zu Fuss bis zu vier Stunden nonstop relativ schmerzfrei unterwegs. Als ich danach zuhause die Gebrauchsanleitungen der verordneten Medikamente nochmals genau durchlas, zweifelte ich, ob meine Organe die aufgeführten Nebenwirkungen überhaupt verkraften können. Deshalb beschloss ich, auch noch die letzten drei Schmerzmittel abzusetzen und nahm nur noch das Abführmittel und die Tablette gegen Bluthochdruck. Dann galt es den Körper zu beobachten, wie er darauf reagierte. Sollte es gut ausgehen, habe ich wieder etwas zu meinem gesundheitlichen Aufbau beigetragen. Wenn nicht, werde ich nicht umhin-kommen, einen Teil der im Schrank deponierten Präparate wieder zu „schlucken“.
Ende September brachte der Pöstler ein Paket. Absender war mein seelenverwandter Künstlerfreund Beat Rosenberg, der seit über 40 Jahren mit seiner Lebenspartnerin an der Algarve in Portugal lebt. Beim Auspacken dann die gelungene Überraschung. Was ich auf der Intensivstation erlebt habe, hat Beat in einer Statuette auf beeindruckende Weise dargestellt.
Die Bedeutung der ca. 20 Zentimeter hohen Figur aus Modelliermasse hat mich derart beeindruckt, dass ich sie fotografierte und als Buchumschlag zu diesen Bericht nutzte. Dazu schrieb ich folgenden Text:
Gefangen im eigenen Körper, ans Bett gebunden, aus dem man zwangs-läufig aufstehen muss, damit man gesund wird, steht der hilflose Patient auf der zeigerlosen Uhr, die stillsteht, wie in bangen Tagen und schlaflosen Nächten, wenn die Minuten zu Stunden werden. Die Arme ausgestreckt, als wollten die Hände die wirren Gedanken, die bruchstückhaften, im Unterbewusstsein auftretenden und von Morphium vernebelten Eindrücke einfangen, um ein lückenloses Verständnis über das Geschehene zu erfahren.
Am Abend vor dem Röntgen-Termin am 2. Oktober im Spital Herisau rief mich Klaus an, wann er mich abholen soll. Ich bedankte mich für das nette Angebot und antwortete ihm, dass ich mit dem Zug reisen werde, weil ich genügend Zeit hätte und möglichst schnell wieder unabhängig werden wolle.
Nach dem Röntgen ging es zur Besprechung. Als der der Chirurg die Bilder auf dem Monitor begutachtete, nickte er befriedigend und sagte, dass sich die Kallusbildung gut entwickle. Er sehe keinen Grund, dass ich deswegen noch einmal erscheinen müsse und er die „Knochenschlosserei“ abschliessen könne. Wenn ich es wünsche, könne ich mich nach zwei Jahren bei ihm melden, um die Platte zu entfernen. Dann wünschte er mir gutes Gelingen für die bevorstehenden OP, die seine „Bauch-Chirurgen-Kollegen“ durchführen werden und fügte hinzu, dass er mich so schnell nicht vergessen werde, denn ich sei ein bemerkenswerter Polytrauma-Patient gewesen.
Die dreistündige Voruntersuchung am 10. Oktober beinhaltete Blutentnahme und -analyse, Elektrokardiogramm, Herz-Ultraschall-Check, Ärztinnengespräch und Narkosebesprechung, um sicherzustellen, ob die verletzten Organe genügend regeneriert waren, damit eine gut dreistündige Operation mit Vollnarkose möglich ist. Sämtliche Werte wiesen gute Er-gebnisse aus. Damit auch die Arterien, Venen und Lymphgefässe auf ihre Funktionen geprüft werden konnten, musste ich für eine Untersuchung mit Ultraschallgerät nochmals antreten. Am Schluss bekam ich ein Pulver, das ich am Vortag der OP im Wasser auflösen und trinken musste, damit der Darm für die Operation leer und sauber war.
Ärztinnen und Ärzte, die mich untersuchten, waren über meine Vitalität erstaunt und lobten meine ausdauernde Eigentherapie zur Gesundung, ohne die es schwierig gewesen wäre, so schnell wieder auf die Beine zu kommen. Dazu attestierten sie mir, dass mein Wohlbefinden zu einem erheblichen Teil meiner ausgeprägten Resilienz zuzuschreiben sei, was bedeutet, dass ich die Fähigkeit habe, in Drucksituationen, nach Rückschlägen und in Zuständen der Ungewissheit schnell wieder aufzustehen, fokussiert zu bleiben, optimistisch zu sein und ihre Sinnhaftigkeit auch in äusserst schwierigen Situationen zu finden.
Am 14. Oktober kam zum 28. und letzten Mal die Spitex-Pflege, um die Stoma-Platte zu wechseln. Erschienen ist ein Pflegefachmann in Begleitung einer jungen Frau, die während ihrer Schulferien eine Schnupperlehre absolvierte. Neben 59 Fachfrauen ist er der einzige Mann im Spitex-Verein und somit Hahn im Korb. Gewissenhaft und fachkundig wie alle bisherigen Pflegekräfte verrichtete er seinen Dienst. Nach einer herzlichen, mit Dank verbundenen Verabschiedung, war ich froh, auf eine Abhängigkeit weniger angewiesen zu sein.
Wie vereinbart meldete ich mich am Nachmittag vor der OP in der Angiologie zum Ultraschall-Untersuch an. Die Funktion der beiden Halsschlag-adern wiesen keine Schäden auf, sodass einer Stoma-Zurückverlegung nichts im Wege stand. Danach fuhr mich Klaus zügig nach Hause, damit ich mit der Darmvorbereitung beginnen konnte. Dafür gab es einen Essen-Abführmassnamen-Vorgehensplan. Drei Tage vor der Operation war ein Verzicht auf Vollkornprodukte, Birchermüesli, faseriges Gemüse und Früchte mit Kernen angeordnet. Einen Tag davor ein leichtes Frühstück mit Weissbrot, Margarine und Konfitüre, danach nur noch Wasser, Tee, Bouillon ohne Einlage, klarer Apfelsaft aber keine feste Nahrung mehr. Um 14.00 Uhr die erste Dosis 500 ml der zubereiteten Flüssigkeit trinken. 15.30 Uhr 500 ml Waser oder Tee innerhalb von 30 Minuten trinken. Da-nach eine Stunde Pause. 16.00 Uhr die zweite Dosis 500 ml der zubereiteten Flüssigkeit trinken. 16.30 Uhr 500 ml Wasser oder Tee innerhalb von 30 Minuten trinken.
Der einsetzende starke Durchfall ist ein gewünschter Effekt, welcher für die Darmreinigung unbedingt notwendig ist. Die ausgeschiedene Flüssig-keit war gegen Ende annähernd klar, wie vorgeschrieben.
Das Prozedere verlief problemlos und so konnte ich „innerlich herausgeputzt“ dem kommenden Morgen gespannt entgegensehen. Am Nachmittag erhielt ich den Anruf aus dem Spital, dass man mich morgens um 7.30 Uhr am Empfang erwarte.
Stoma-Zurückverlegung
Die OP dauerte knappe vier Stunden und war komplizierter als erwartet. Der Bauch wurde an derselben Stelle geöffnet wie zuvor. Der Schnitt wieder 18 Zentimeter lang. Als erstes wurde das Stoma zurückverlegt. Dann mussten 90 Zentimeter vom Dünndarm (Rest-Dünndarm ca. 2 Me-ter) entfernt werden, der teils verknotet und mit der Bauchwand ver-wachsen war. Darauf wurde die zerrissene Bauchwand auf die möglichst kleinste Öffnung zusammengenäht, dass unter Umständen eine weitere OP für einen Netzeinbau nicht mehr nötig wäre oder ein kleineres Netz genügen würde.
Als ich im Laufe des Nachmittags auf der Station erwachte, lag ich in einem kleinen Zweierzimmer, versehen mit einem Blasenkatheter, einem PDK im Rücken, einem Venenkatheter am Handgelenk und zwei Wundabsonderungsschläuchen. Neben dem Bett der „Christbaum“ mit aufgehängten Infusionsmitteln. Ich hatte keine Schmerzen aber von den Hüften bis zu den Zehen kein Gefühl, deshalb wurden die Schmerzmittel reduziert. Der Arzt sagte, dass ich noch nicht über den Berg sei aber auf gutem Weg dazu. Danach band mir eine Pflegefachfrau eine neue Bauch-Bandage mit Klettverschluss um, den ich sechs Wochen lang Tag und Nacht tragen musste bis die Wunden im Bauch verheilt waren. Zum Trin-ken bekam ich 3 dl Kamillentee, der für die nächsten Stunden ausreichen musste. Bereits um 19.30 Uhr hiess es auf die Bettkannte sitzen und da-nach etwa eine Minute aufzustehen.
Dann geschah, was ich mir nicht mehr wünschte. Mein Zimmernachbar, nur einen guten Meter neben meinem Bett, ein 130-Kilo-Mann, fing an zu schnarchen und das in einer Lautstärke, dass es die Pflegefrauen auf dem Korridor hörten. Es stellte sich heraus, dass der Patient nicht nur stark erkältet war, sondern zudem an Schlafapnoe litt. Hellwach versuch-te ich mit der erlernten Atemtechnik ruhig Blut zu bewahren, was jedoch schwierig war bei der Nähe. Ich muss eine besondere Gabe besitzen, dass ich in jedem Zimmer mit Patienten zusammentreffe, die an Atemproblemen leiden. Um 22.30 Uhr verlegten mich zwei Pflegerinnen in ein Viererzimmer, wo es zwei Schnarcher gab. Einen davon konnte die Nachtwache dazu bewegen, sich auf die Seite zu legen, dass danach von ihm nur noch ein lautes Atemgeräusch die nächtliche Stille erfüllte. Doch nicht nur deshalb blieb ich die ganze Nacht wach, denn ich hatte heftige Schmerzen, weil die Medi-Infusionszufuhr nicht richtig eingestellt war. Irgendeinmal graute dann der Morgen und die Zuleitung konnte auf die er-forderliche Dosierung geregelt werden.
Die ersten vier Tage wurde ich über Infusionen versorgt. Im Zweistun-dentakt wurden Beutel um Beutel an den „Christbaum“ gehängt. Anstelle eines Frühstücks bekam ich 5 dl Tee, den ich schluckweise über den gan-zen Tag verteilt trinken musste. Als Mittagessen gab es das erste Abführmittel. Um 19 Uhr bin ich aufgestanden und habe mich gewaschen. Zwei Stunden später machte sich das Abführmittel bemerkbar, weswegen ich vier Mal nacheinander den Topf benötigte.
Der neue Tag begann mit der Blutentnahme, deren Werte jeweils bis zur Arztvisite vorliegen mussten. Zwischen neuem Wundverband anlegen und Topf erhielt ich ein Gläschen Apfelsaft, Bouillon und Tee für den restlichen Tag. Im Laufe des Nachmittags erfasste mich ein Schluckauf und ein Sättigungsgefühl, dass ich fast nichts mehr trinken konnte und meinte erbrechen zu müssen. Nach jedem Schluck Wasser gingen in meinem Gedärm die Winde los, dass ich an einem Marktstand damit hätte Ballone aufblasen können. Sollte es nicht aufhören, müsste mir eine Magensonde ge-legt werden, wurde mir an der abendlichen Arztvisite mitgeteilt. Glücklicherweise konnte ich öfters auf den Topf, das den Druck im Magen da-nach etwas verringerte.
Die ganze Nacht über wechselte ich zwischen Bett und Toilettenstuhl. In dieser Situation machte sich das Beckenbodentraining bezahlt, das ich seit dem Aufenthalt in der Rehaklinik regelmässig ausübte. Denn seit die Innereinen ihre Funktion langsam wieder ankurbelten, passierte mir kein einziges Missgeschick, das «in die Hose ging». Bei einem Blutwert wurde ein sehr hoher CRP-Wert festgestellt, ein Entzündungsparameter der bei Infektionen, Entzündungen und Gewebsschäden oft auftritt. Deshalb wur-de mir jeden Morgen um sechs Uhr Blut abgezapft und Antibiotika verabreicht. Zum Frühstück erhielt ich ein Joghurt, einen Proteinshake und Tee. Von jetzt an war mässiges Trinken erlaubt und Aufbaukost kam ins Ernährungsprogramm. Vor dem Mittagessen (Joghurt, Karottensuppe, Proteinshake) wurde mir die erste (Blake) der zwei Drainagen gezogen und ein neuer Wundverband angelegt. Ein schönes Gefühl, wieder von einem Schlauch befreit worden zu sein. Zum Nachtessen gab es Suppe, Griessbrei mit Zimtzucker, geschälte Aprikosen und Proteinshake. Irgendetwas davon löste mir einen Hustenreiz und ein dreimaliges Niesen aus, dass ich glaubte, innerlich zu explodieren. Danach war wieder der Toilet-tenstuhl angesagt.
In der Nacht auf den Montag war ein derartiges Schnarch-Szenario im Gang, dass ich trotz Schlaftablette nicht einnicken konnte. Endlich wurde es sechs Uhr, Zeit um die Zufuhr des Periduralkatheters (PDK) abzustellen, was bedeutete, dass über diesen kein Schmerzmittel mehr verabreicht wurde. Eine Stunde später wurde der Blasenkatheter gezogen. Da-nach gab es Zwieback, Milch und Proteinshake, den ich künftig stehen liess, weil er mir zu chemisch schmeckte. Am Nachmittag konnte der PDK gezogen werden. Bei der Arztvisite dann die gute Nachricht, dass sich der erhöhte Blutwert normalisiert hatte. Am Abend konnte ich zweimal auf natürlichem Weg Wasser lösen. Somit war alles im grünen Bereich.
Dienstag, Mittwoch und Donnerstag verliefen ohne bedeutende Vor-kommnisse. Das erste Mal konnte ich insgesamt sechs Stunden schlafen. Am Morgen gab es Ruchbrot ohne Rinde und zum Mittagessen Bouillon, Rindsvoressen püriert, Karotten und Nudeln. Danach wurde ich auf 100% Vollkost umgestellt. Auf dem Speiseplan standen Hirschpfeffer mit Knöpfli und Rosenkohl, Schweineschnitzel mit Rösti, Spaghetti Sugo und jeweils ein Dessert dazu. Ich durfte also essen, zu was ich Lust hatte und was mir vor der OP auch bekömmlich war. Das Sekret der Easy-Flow-Drainage verminderte sich stetig, dass sie gezogen werden konnte. Das Wasser lösen funktionierte einwandfrei. Am Abend wurde der Verband noch einmal neu gewechselt.
Die letzte Nacht im Zimmer verlief ohne Schnarchgeräusche und das Essen konnte ich am Tisch einnehmen. Der Abschied hätte nicht besser ausklingen können. Das Angebot für einen Reha Aufenthalt schlug ich anerkennend aus. Wie ich wieder zu Kräften kommen konnte, wusste ich selber, dafür brauchte ich keine verfügten Gruppentherapien mehr. Zu-sammen mit Ilse und der Physiotherapeutin würde ich zuhause genauso gut auskurieren können, wenn nicht sogar besser. Zutiefst dankbar für die herzliche und professionelle Pflege verliess ich neun Tage nach der Operation die Klinik in der Hoffnung, hier in absehbarer Zeit nicht wieder eintreten zu müssen. Sollte es dennoch dazu kommen weiss ich, dass ich gut aufgehoben bin.
Während meiner insgesamt 46 Tage im Spital und in der Rehaklinik habe ich intensiv erlebt und gestaunt, wie die digitalen Medien sogar die hospitalisierten Menschen im Griff haben und dementsprechend manipulieren. Kaum dunkelte es, flimmerten die ersten Bildschirmschemen über die Zimmerdecke. Erwachte ein frisch operierter Patient aus der Narkose, war oft die erste Frage nach dem Mobiltelefon und ob es WLAN-Anschluss habe. Sogar während den Essenszeiten wurde dauernd am scheinbar unverzichtbaren iPhone herumgefingert. Dann die unzählbaren banalen Telefonate bis nach dem Lichterlöschen. Klingeltöne im Viertelstundentakt. Fernseher, Musikbeschallung mit Kopfhörer und Internetanschluss gehört heute zum konsumorientierten Patienten-Programm. Ich sah niemanden ein Buch lesen, selten jemand eine Zeitung. Ich war die ganze Zeit über mit meinem Gesundwerden beschäftigt, las, sinnierte, führte mein Tagebuch. Ich fragte mich, wie die anderen Patienten mit ihrer dauernden elektronischen Ablenkung gesund werden können. Als Exot in diesem Bereich werde ich es wohl nie herausbekommen.
Wieder Daheim
Am 25. Oktober holte mich Klaus im Spital Herisau ab und führte mich heim zu meiner anspruchslosen und treubesorgten Ilse, die uns freuden-strahlend vor der Haustür erwartete. Vorher hielten wir noch bei meinen Hausarzt an, dessen Assistentin mir einen Termin zur Wundkontrolle und einen für die Entfernung der Bauchnaht- und Stoma-Klammern aushändigte. Danach musste ich mich in der Apotheke noch mit neuen Medikamenten eindecken. Zuhause kam ein Anruf von der Spitex-Fachfrau, die sich erkundigte, ob ich ihre Unterstützung weiterhin in Anspruch nehmen müsse oder wolle, was ich verneinte und so konnte sie meinen Fall abschliessen. Obwohl es eine schätzenswerte Hilfe war, tat es gut, von der vorgängigen Abhängigkeit befreit zu sein. Eine Erleichterung war auch, dass ich keine Stützstrümpfe tragen musste und keine Anti Thrombosen Spritze benötigte, die im Spital jeden Abend in den Oberschenkel injiziert wurde.
Die erste Nacht wieder zuhause war einzigartig. Jedes Mal, wenn ich er-wachte, genoss ich die ungewohnte Dunkelheit und Stille. Von Mitternacht bis zwei Uhr herrschte in meinem Bauch Hochbetrieb, weshalb ich einige Male hintereinander aufs WC musste. Dabei profitierte ich vom Komfort des vorher installierten Closomats, der, wie sich herausstellte, uns nicht in Rechnung gestellt, sondern von unserem freigiebigen Vermieter bezahlt wurde. Von derartigem Glück können sicher die wenigsten Mieter sprechen. Für diese einmalige und nicht mehr missen wollende Hygiene-Einrichtung konnten wir unserem fürsorglichen Wohnungseigentümer nicht genügend danken. Alles was in heiler Lebenslage selbstverständlich ist, erhielt einen bedeutsameren Stellenwert. Das eigene Bett, die heimelige Wohnatmosphäre, das funktionale Badzimmer, die schmackhafte, kräftigende Hausmannskost und der fürsorgliche Umgang von Ilse, die Zuneigung von Nachbarn und vieles mehr.
Wie schon nach der ersten OP wollte ich auch jetzt so schnell als möglich von den Schmerzmedikamenten loskommen. Am vierten Tag nach dem Spitalaustritt schluckte ich die letzten Pillen. Anfangs war der Schmerzpegel noch relativ hoch, reduzierte sich dann kontinuierlich auf ein erträgliches Mass. Gott sei Dank blieb ich von Husten und Niesen verschont.
Am strahlendblauen zweitletzten Oktobertag erhielt ich vom Strassenverkehrsamt Appenzell einen eingeschriebenen Brief mit der Aufforderung, innert 20 Tagen einen Untersuchungstermin bezüglich verkehrsmedizinischer Fahreignungsabklärung bei einem Arzt mit entsprechender Anerkennungsstufe 4 zu vereinbaren. Sollte ich dieser Aufforderung keine Folge leisten oder den vereinbarten Termin nicht einhalten, wäre das Amt gezwungen, gem. Art. 30 VZV, einen vorsorglichen Ausweisentzug zu ver-fügen.
Tags darauf hatte ich beim Hausarzt im Medizinischen Zentrum Appenzell die zweite Konsultation, bei der mir die in Ausbildung stehende medizinische Praxisassistentin fachgerecht und mit Feingefühl 13 der insgesamt 28 Klammern entfernte, welche die Bauchnaht und das Stoma zusammenhielten. Danach händigte ich dem Arzt das Schreiben von der MFK aus, damit er die geforderte Fahreignungsabklärung in die Wege leiten konnte. Das sei zurzeit nicht möglich, antwortete er, weil ich immer noch ärztlich behandelt werde und somit gar nicht Autofahren könne. Eine Abklärung käme deshalb erst infrage, wenn ich gesundheitlich wieder in der Lage sei Auto zu fahren. Auf dem Nachhauseweg ging ich zur MFK und konnte den Fall lösen, indem ich den Ausweis deponierte. Zwei Jahre habe ich nun Zeit, die Fahreignungsprüfung zu absolvieren. Wenn der Test negativ ausfällt, wird mir der Ausweis entzogen.
Anfangs litt ich drei Tage an Verstopfung, der mit den verordneten Arzneien nicht beizukommen war. Womöglich hatte ich zum Frühstück einige Zwieback und Knäckebrot zu viel gegessen. Dann bekam ich von einer benachbarten Naturheilkundigen ein Päckchen getrocknete Pflaumen, von denen ich drei Stück täglich essen musste und selbst angebauten Hanf, den sie mir als Tee empfahl, der in kleinen Schlucken über den Tag getrunken werden sollte. Ein paar Stunden nach der Einnahme wurde der körpereigene Vorgang langsam wieder angekurbelt. Grandios, wenn einem von Fachkundigen derart hilfreiche Tipps angeboten werden. Von Ilse kam nur noch auf den Tisch, von dem sie überzeugt war, dass es die Verdauung förderte.
Obwohl ich mich in den ersten Tagen daheim noch sehr viel im Bett aus-ruhen musste, vernachlässigte ich mein Training keineswegs. Immer wieder raffte ich mich zum Treppensteigen, pedalen auf dem Hometrainer oder zu Kraft- und Bewegungsübungen auf. Während dieser Zeit war mein treuer Freund Klaus immer zur Stelle, um mich zu den verschiede-nen Terminen zu fahren. Einen ersten längeren Spaziergang verbunden mit einem Einkauf unternahm ich nach einer Woche.
Fünf Monate nach meinem Unfall hatte ich die erste grosse WC-Sitzung. Es war ein absolut neues Lebensgefühl. Ich war überglücklich und dankte meinem erfahrenen Chirurgenteam gedanklich, dass sie mir diesen Vorgang wieder ermöglichten. Was für ein Privileg es ist, die Darmentleerung auf natürlichem Weg verrichten zu können, schätzt man erst, wenn man sie längere Zeit über einen künstlichen Ausgang verrichten musste. Diese wiedergewonnene Selbständigkeit ist daher eine der bedeutsamsten Er-rungenschaften auf meinem Genesungsweg.
Als ich wieder längere Fussmärsche unternehmen konnte, fuhr ich mit dem Zug nach Herisau und stattete im Spital dem PflegeTeam vom 4. OG einen Besuch ab, um mich mit einem traditionellen Appenzeller Präsent für die einzigartige Betreuung zu bedanken. Im Sitzungszimmer traf ich das Team von der Frühschicht. Es war ein besonderer Moment, auf-recht vor den munteren Fachkräften zu stehen, die mir vor ein paar Tage noch den Hintern geputzt, mich gewaschen und mit Fachkenntnis und Herzblut rund um die Uhr aufgepäppelt hatten. Ich konnte sie nicht genügend loben für ihre unermüdlichen Einsätze, ohne die ich nicht so schnell wieder auf die Beine gekommen wäre. Es ist bewundernswert, mit welcher Demut und Gelassenheit sie mich, neben zahlreichen andere Pa-tienten, umsorgten. Wenn es irgendetwas zu ändern gab, setzten sie alles daran, dass es mir an nichts mangelte.
Auf dem Heimweg schaute ich kurz bei der Physiotherapeutin vorbei, um einen Termin zu vereinbaren, damit sie mir mit ihren Massagetechniken die inzwischen verspannten Muskeln lockern und die verstörten Energien in die richtigen Bahnen lenken konnte.
Tags darauf brachte der Pöstler einen Brief vom Justiz-, Polizei- und Mili-tärdepartement mit folgendem Inhalt:
Bestätigung freiwilliger Verzicht
Am 31. Oktober 2024 haben Sie Ihren Führerausweis beim Strassenver-kehrsamt deponiert. Sie verzichten im Rahmen unseres Verfahrens freiwillig auf das Recht, Motorfahrzeuge zu führen. Dieser Verzicht ist Ihnen sicher nicht leicht gefallen.
Der freiwillige Verzicht hat zur Folge, dass Sie keine Motorfahrzeuge mehr lenken dürfen (Art. 32 der Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr).
Unser Verfahren ist damit in dieser Sache sistiert, bis ein Zeugnis eines Arztes oder Ärztin der Anerkennungsstufe 4 erstellt werden kann, worin Ihre Fahreignung aus medizinischer Sicht bestätigt wird. Bei einem Gesuch um Wiedererteilung des Führerausweises haben Sie sich deshalb ei-ner Untersuchung bei einem Arzt oder Ärztin der Anerkennungsstufe 4 zu unterziehen.
Wir wünschen Ihnen gute Besserung.
Freundliche Grüsse
Gegen Abend entfernte mir im Medizinischen Zentrum Appenzell unter Aufsicht des Arztes eine angehende Ärztin fachgerecht und schmerzlos noch die restlichen fünfzehn Klammern. Eine Woche später bekam ich eine Narben-Salbe, die ich täglich auf die verheilten Stellen auftragen konnte, damit sich diese weniger verhärteten.
Mit Ilses ausgewähltem Essen und meinem Verzicht auf Süssigkeiten funktionierte auch die Verdauung recht gut. Die ab und zu auftretende Lust auf Leckereien stillte ich mit Datteln, Rosinen und Honig. Erleichtert, dass ich von möglichen Komplikationen verschont wurde, dankte ich im Stillen meinen «weissen Engeln» für ihre allseits hilfreichen Leistungen.
Dreieinhalb Wochen nach der OP konnte ich die Wundverbände wegnehmen und duschen. Es war herrlich, als wäre dabei das Ertragene abgewaschen und fortgeschwemmt worden. Danach fühlte ich mich leichter, wie wenn ich einen unpassenden Mantel abgelegt hätte, der mir zwangsweise umgehängt wurde. Es mag komisch klingen, aber so empfand ich es. Dass mich dieser Eingriff enorm Substanz gekostet hatte, merkte ich am meisten bei meinen Wanderungen, denn für meine gewohnten Verhältnisse war ich relativ langsam unterwegs und jeweils froh, mich danach hinreichend ausruhen zu können. Vielleicht ist es das normale Schritttempo für 76-jährige, an das ich mich aber erst gewöhnen musste. Doch liegen bleiben stand nicht auf dem Plan, denn mein Aufbauprogramm, zusammen mit der Physiotherapie, wollte fortgesetzt werden. Bis ich die Form vor dieser OP wieder erreicht hatte, dauerte es noch eine Weile. Mit der erforderlichen Ausdauer und Disziplin kam ich diesem Ziel aber stetig näher.
Die Physiotherapie wirkte spürbar schnell. Schon auf dem Heimweg war ich leichtfüssiger unterwegs als beim Eintreffen. Doch an den drei folgenden Tagen war ich total schlapp. Deshalb ruhte ich mehr aus als zuvor. Jede Rumpfbewegung tat mir im Rücken- und Lendenbereich weh. Ich hatte weder eine Erkältung eingefangen noch ging es mir sonst schlecht. Womöglich ist eingetroffen was die Oberärztin vorhersagte, dass ich we-gen der Bauch-Bandage irgendwann Muskelkater in diesem Bereich kriegen würde. Als ich am nächsten Physiotherapie Termin der Therapeutin das Geschehene rapportierte, sagte sie, dass ihre letzte Behandlung für meinen Körper eine Tortur gewesen sei, wie es Sportlern häufig nach einem harten Training ergehe. Ich müsse mir keine Sorgen machen, wisse nun aber, mit was ich nach der heutigen Massage in den kommenden Tagen wieder rechnen müsse, was ich erfreulicherweise weniger stark zu spüren bekam.
Endlich waren die sechs Wochen vorbei, während denen ich die steife Bauch-Bandage Tag und Nacht tragen musste. Ich hoffte, dass ich dadurch den perfiden andauernden Juckreiz los wurde. Zudem konnte ich in der Physiotherapie mit dem Rumpfstabilitäts-Training beginnen. Denn nach einem halben Jahr durch die Bandage gestützt, war die Beweglich-keit eingeschränkt und die Bauchmuskulatur geschrumpft. Mittlerweile war ich auf 71 Kilo Körpergewicht gesunken, neun Kilo leichter als vor dem Unfall. Das sperrige Irgendetwas auf der linken Seite im Bauch spürte ich nun mehr als vorher. Es fühlte sich an wie ein klobiger Fremdkörper, der irgendwie hinzukam, aber nicht passte. Die Therapeutin, die den Bauch abtastete, erklärte mir, dass es die verklebten Faszien (Teil des Bindegewebes) seien, die sie in den nächsten Behandlungen zu lösen versuche. Mit dem Weglassen der Bandage von heute auf morgen sei es für den Körper ein radikaler Entzug gewesen, daher rate sie mir, den Gurt tagsüber zeitweise wieder zu tragen. Überdies zeigte sie mir Übungen, wie ich zuhause die Verklebungen selber lockern konnte.
Weil der Juckreiz nicht aufhörte, kontaktierte ich eine Apothekerin. Es stellte sich heraus, dass er von einem Medikament ausgelöst wurde, das ich über Monate einnehmen musste. Mit Leinöl-Kapseln und einer Feuchtigkeitscreme konnte ich die Missempfindungen mildern. Bis sie jedoch komplett verschwunden waren, musste ich mich noch ein paar Wochen gedulden.
Wie aus dem Nichts erlitt ich einen Schub, der mir den Oberkörper, hauptsächlich die Schultern blockierte. Mit ihren magischen Händen konnte die Physiotherapeutin die üblen Stellen fachgerecht wegmassieren, dass ich Stunden später wieder schmerzfreier und beweglicher war. Damit die förderlichen Therapien fortgesetzt werden konnten, stellte mein Hausarzt eine weitere Verfügung für neun Physio-Sitzungen aus. Zur Stärkung der Rumpfmuskulatur kamen jede Woche neue Übungen dazu, die ich daheim auf der Fitnessmatte bis zu vier Mal täglich ausübte.
Als Abwechslung musste ich am 3. Dezember zum Zahnarzt. Am Abend zuvor hatte ich beim Essen die Hälfte vom vorderen rechten Schneidezahn abgebrochen. Der Zahnarzt vermutete, dass ich beim Unfall einen Schlag erhielt, der einen Riss im Zahn verursachte und sich im Laufe der Zeit fortsetzte bis er schliesslich brach. Nach anderthalb Stunden hatte er mir ein einwandfreies Provisorium angepasst und eine Woche später konnte er die Krone einsetzen, die der Zahntechniker in der Zwischenzeit angefertigt hatte. Auch in diesem Fall war mir das Glück hold, dass mich ein Könner seines Fachs behandelte. Trotz des Schreibens vom Zahnarzt gab es bei der Krankenkasse keine Usanz, deshalb musste ich die CHF 1521 aus der eigenen Tasche berappen.
Der Weg zur Untersuchung ins Spital am 9. Dezember war wie der Einlauf in ein lang ersehntes Ziel. Obwohl ich nicht wusste, welche Diagnose mich erwartete, rechnete ich fest damit, dass das Ergebnis zu meinen Gunsten ausfallen würde. Ich hatte immer den festen Glauben, dass das, was mit mir geschieht, nicht misslingen wird, egal, wie viele andere mit gleichen Symptomen vor mir scheiterten.
Der Chefarzt war sehr zufrieden mit der Ausheilung der diversen operati-ven Eingriffe und meinem allgemeinen Gesundheitszustand. Im weiteren führte er aus, dass mit dem Zusammennähen der abgerissenen Bauchmuskelwand der Einbau eines Netzes vorerst nicht notwendig sei. Halten die Nähte, könne ganz darauf verzichtet werden. Bedingung dafür sei, dass ich längere Zeit keine schwere Lasten heben und nichts unternehmen dürfe, das die Bauchmuskulatur stark beanspruche. Mit dem „Block im Bauch“ müsse ich mich abfinden, denn durch das Zusammennähen der Bauchwand könne sie sich nicht mehr ausdehnen. Insgesamt sei ich so weit genesen, dass ich erst in zirka einem Jahr zu einer Nachkontrolle aufgeboten werde. Sollten Beschwerden auftreten, könne ich mich jeder-zeit bei ihm melden, zudem sei ich ja bei meinen Hausarzt in Behandlung.
Ich versicherte ihm, peinlich auf seine Ratschläge zu achten, denn auf eine vierte Operation bin nicht erpicht. Angesprochen auf meine Fahrtauglichkeit meinte er, dass es aus seiner Sicht absolut problemlos sei. Wenn ich wieder Autofahren möchte, soll ich mich bei der dafür zuständi-gen Stelle für den Test anmelden. Dann verabschiedeten wir uns gegen-seitig mit guten Wünschen. Ich dankte ihm noch einmal herzlich für alles, das hier zu meinem Wohl getan wurde. Beschwingt machte ich mich auf den Heimweg, um Ilse das freudige Ergebnis zu berichten. Mit einem feinen Essen und einem Glas Wein feierten wir das vorzeitige Weihnachtsgeschenk.
Das ereignisreiche Jahr neigte sich dem Ende zu. An Silvester waren Ilse und ich im unerschütterlichen Glauben, dass wir im kommenden Jahr von negativen Ereignissen verschont bleiben und freuten uns auf die Herausforderungen im neuen Lebensabschnitt.
Nach Neujahr kontaktierte ich eine Arztpraxis in St. Gallen, um einen Termin für die verkehrsmedizinische Untersuchung zu vereinbaren. Nachdem ich den verlangten Kostenvorschuss von CHF 1620.50 entrichtet hatte und die erforderlichen Formalitäten erledigt waren, erhielt ich das Aufgebot zur Fahreignungsabklärung auf den 5. März 2025, um 13.00 Uhr.
Nach der fast anderthalbstündigen Fahreignungsabklärung händigte mir die Ärztin Formulare für drei weitere Untersuchungen aus:
Weil ich mich für weiteres Autofahren entschieden habe, blieb mir nichts anderes übrig, als der Forderung nachzukommen und meinen Hausarzt zu kontaktieren, damit er mich für die fachärztlichen Checks anmeldete.
Kurz danach erhielt ich von verschiedenen Ärzten im Spital Herisau folgende Termine:
Nach den erforderlichen verkehrsmedizinischen Untersuchungen haben mir alle zugewiesenen Ärztinnen und Ärzte die Fahrtauglichkeit bestätigt.
Von der Arztpraxis in St. Gallen erhielt ich die Nachricht, dass das Gutachten nach der Fertigstellung an das Strassenverkehrsamt geschickt werde, von dem ich dann eine Verfügung mit weiteren Informationen erhalte.
Wenn alle Verkehrsteilnehmer diese Checks absolvieren müssten, gäbe es keine Staus, Strassenbau- und Parkplatzprobleme, dazu eine markante Reduktion von Lärm, Abgasen und Schicksalsschlägen. Aber eben, wenn…
Am 14. Mai erhielt ich einen Anruf, dass ich mich für eine Anhörung beim Strassenverkehrsamt Appenzell melden soll. Bei der Besprechung wurden mir folgende Schreiben ausgehändigt:
• Verkehrsmedizinisches Gutachten (13-seitiger Bericht)
• Administrativmassnahmen-Verfahren nach Strassenverkehrsgesetz
Aufhebung freiwilliger Verzicht, Anordnung von Auflagen, Verfügung:
Von der Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden hatten wir die Mitteilung erhalten, dass Sie am 5. Juni 2024 um 7:47 Uhr mit dem Personenwagen AI 10737 von der Hauptstrasse herkommend in Richtung Engelgasse gefahren sind. Aus unerklärlichen Gründen fuhren Sie am Hotel Appenzell vorbei und prallten ungebremst geradeaus in die Fassade der Liegen-schaft Hauptstrasse 36 und in die davorstehende Sitzbank, statt rechts in Richtung Engelgasse einzulenken.
Auf Grund der konkreten Unfallumstände konnten wir nicht ausschliessen, dass dem Unfall ein medizinisches Problem zu Grunde lag. Um diesen Verdacht entweder auszuschliessen oder zu erhärten, wurde unter An-wendung von Art. 15d Abs. 1 lit. a Strassenverkehrsgestz (SVG) und Ab-satz 28a Abs. 2 Verkehrszulassungsverordnung (VZV) eine verkehrsmedi-zinische Fahreignungsabklärung (Stufe 4) angeordnet.
In der Zwischenzeit haben wir das verkehrsmedizinische Gutachten erhal-ten. Die Gutachterin kommt zum Schluss, dass die Fahreignung zum ak-tuellen Zeitpunkt für dir medizinische Gruppe 1 aus verkehrsmedizinischer Sicht mit folgenden Auflagen befürwortet werden kann.
In Anwendung von Art. 17 Abs. 3 des schweizerischen Strassenverkehrsgesetzes (abgekürzt SVG) und Art. 24d der schweizerischen Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr (abgekürzt VZV) treffen wir folgende Verfügung:
• Der freiwillige Verzicht vom 31. Oktober 2024 wird mit Verfügungs-datum aufgehoben
Sie haben folgende Auflagen einzuhalten:
Gesundheitliche Problematik (Bluthochdruck/Hypertensive Herzkrankheit, Status nach Polytrauma, mittelschwere obstruktive Schlafapnoe)
• Regelmässige ärztliche Kontrolle der Herz-Kreislauf-Erkrankung und des allgemeinen Gesundheitszustandes, bedarfsweise Behandlung und Medikamenten-Einnahme gemäss ärztlicher Massgabe sowie striktes Befolgen der ärztlichen Weisungen, inkl. Medikation.
• Lenken eines Motorfahrzeuges nur bei Wohlbefinden und in ausgeruhtem Zustand (ohne Zeichen von Müdigkeit oder Schläfrigkeit).
Verlaufskontrolle
• Einsenden von ärztlichen Verlaufsberichten (Hausarzt, Pneumologie-Schlafmedizin, ggf. Kardiologie) jeweils mit Stellungnahme zur Fahreignung, im März 2026 an das Strassenverkehrsamt.
• Anhand der eingereichten Berichte kann im Rahmen eines verkehrsmedizinischen Aktengutachten/Zeugnisbeurteilung erneut Stellung zur Fahreignung genommen werden.
Auflagendauer
• Wird im weiteren Verlauf neu evaluiert.
Die medizinische Auflage wird mit dem Code 101 im Führerausweis eingetragen.
Code 101: Besondere Auflage (Die ausführliche Verfügung wird bei der ausweisstellenden Behörde aufbewahrt).
Für die Verfügung wird eine Gebühr von Fr. 100.- erhoben.
Hinweise
Sämtliche Kosten im Rahmen der Auflagenkontrolle gehen zu Ihren Lasten. Sie sind selbst für das korrekte Erfüllen der Auflagen sowie für das Einreichen der Berichte verantwortlich.
Der Ausweis wird entzogen, wenn Sie die Auflagen missachten oder das in Sie gesetzte Vertrauen missbrauchen sollten (Art. 17 Abs. 5 SVG).
Einem Rekurs gegen die vorliegende Verfügung wird gemäss Art. 42 VerwVG die aufschiebende Wirkung entzogen. Dieser Entzug ermöglicht es uns, Ihnen den Führerausweis auszuhändigen, ohne den Ablauf der Rechtsmittel abzuwarten.
Der Führerausweis wird Ihnen per Post zugestellt.
Freundliche Grüsse
Carmen Rupp, Strassenverkehrsamt Appenzell Innerrhoden
Ich verzichte auf das rechtliche Gehör.
Am gleichen Tag kaufte ich ein Auto und freute mich über die wiedergewonnene Mobilität.
Einen Monat später erhielt ich vom Strassenverkehrsamt das Aufgebot zur fahrtauglichen Prüfung, die ab dem 75. Altersjahr alle zwei Jahre durchgeführt wird. Deshalb kontaktierte ich den Hausarzt, der wie ich etwas verärgert war, weil ich diesbezüglich bereits vier spezielle Untersuchungen absolviert hatte. Erst als er vom Strassenverkehrsamt darauf hingewiesen wurde, dass das eine nichts mit dem anderen zu tun habe, führte er den Check durch. Ohne diesen wäre mir der Führerschein entzogen worden.
Danach bat ich ihn, mich beim Chirurg im Spital Herisau für die Entfernung der Platte beim Schlüsselbein anzumelden.
Die Röntgen Untersuchung am 21. Juli ergab, dass die Kallusstelle noch zu wenig ausgebildet ist und daher erst bei einer weiteren Analyse Mitte Januar 2026 entschieden wird, ob die Platte entfernt werden kann. Bis dahin galt es das Sannungsgefühl auszuhalten und zu hoffen, dass sich genügend Knochengewebe gebildet hat.
Fazit
Mein Heilungsprozess war ein ständiges Auf und Ab. In der ersten Zeit nach der Operation konnte ich zuweilen bedeutende Fortschritte ver-zeichnen, später brauchte es länger, bis ich wieder ein Zugewinn verzeichnen konnte. Während der gesamten Genesungsdauer richtete sich mein Focus stets auf die Vebesserungen und nicht auf das, was nicht zu ändern ist. Ich dachte nicht darüber nach, was in vier Tagen oder in zwei Wochen sein würde, schaute nicht zurück und ersann keinen Entwurf für ein künftiges Leben. Ich konnte nur jeden Tag neu meistern und der Bekümmernis widerstehen. Jeden Fortschritt, und war er noch so klein, be-trachtete ich als Geschenk. Um als Verletzter meinen Sinn zu erfüllen, musste ich mit dem, was mir widerfahren ist und mit allem, was der Schaden mit sich brachte, einverstanden sein. Ich musste Ja dazu sagen, anstatt zu hinterfragen, weshalb mir dieses Unglück zuteilgeworden ist. Ohne die Zustimmung an das, was ich dabei erlebt hatte, wären Wert und Bedeutung des Traumas und der nachfolgenden Genesung verloren gegangen. So wurde mir der Unfall mit all seinen Folgen zum Kraftfeld, zu einem Symbol der Energie, die wir Menschen in uns tragen. Die Erkenntnis an das Einzigartige des eigenen Lebens hat mich gelehrt: Niemals aufzugeben, an mich selbst zu glauben, innezuhalten und mich auf das eigene Wohlbefinden zu konzentrieren und die dazu notwendige Hilfe bedingungslos anzunehmen.
Bergsteiger wird man nicht, Bergsteiger ist man, notierte ich einst. Nach allen Unfällen, die ich erlebte, habe ich nie daran gezweifelt, nicht mehr gesund zu werden. Deshalb werde ich, wenn ich wieder hergestellt bin, weiterhin in den Bergen unterwegs sein. In welchem Umfang und mit was für Beeinträchtigungen das geschieht, wird sich zeigen.
Für die erstklassigen ärztlichen Behandlungen, die diversen pflegerischen und therapeutischen Unterstützungen sind Ilse und ich unendlich dankbar. Wir schätzen es ausserordentlich, dass es mit meiner Genesung weiterhin aufwärts geht und sind zuversichtlich, die kommenden Herausforderungen gemeinsam zu meistern. Glücklich, dass bis anhin alles in guten Bahnen verlief, werden wir unseren Lebensabend, dem ein neues Kapitel hinzugefügt wurde, noch bewusster geniessen und das nicht im Sinn von mehr auskosten, sondern dass wir einander noch haben.
Genesungs-Gedanken
Ein fataler Unfall, der die Zerbrechlichkeit des Lebens vor Augen führt, ist ein Appell, das Dasein bewusster wahrzunehmen und dankbar zu sein für jeden Moment der Unversehrtheit.
Das Leben ist einerseits ein Kartenhaus, das jederzeit in sich zusammenfallen kann und andererseits ein Abenteuer, in dem man immer Neues entdeckt.
Jeder Schicksalsschlag birgt etwas Fortführendes.
In hoffnungslosen Situationen wächst der Mensch über sich hinaus.
Ärztinnen und Ärzte sind die Leitplanken auf unserem Lebensweg. Begehen müssen wir ihn selber.
Wird der Leidensweg als Stärke gewertet, verändert sich ein Stück eige-ne Welt.
Nach einem Schicksalsschlag kann es sein, dass das Leben nicht mehr so ist wie es vorher war. Vermindert muss es aber nicht zwangsläufig sein, wenn man das Beste aus dem macht, was einem als verbleibende Mög-lichkeit geschenkt wird.
Versehrt im Bett liegen heisst nicht, liegen bleiben müssen, wenn aufstehen möglich ist.
Einsicht und Verzicht tilgt manches Leiden.
Lebensbedrohliche Verletzungen erhöhen den Respekt dem Leben gegenüber.
Wer das Gesundwerden nicht nur als einzelnen Akt erleben will, muss sich intensiv damit befassen, darin aufgehen und Mass nehmen am gesamten Heilungsprozess.
Ein Widersacher während der Genesung ist die Skepsis, dass man gesund wird.
Wird der Krankheit zu viel Raum eingeräumt, hat das Gesundwerden weniger Platz.
Grenzzustände führen uns an Orte, an die wir weder gegen Bezahlung oder mit eisernem Willen herankommen. Sie bewahren ihr Geheimnis al-lem Erzwungenem gegenüber und öffnen sich nur der intuitiven Wahrnehmung.
Wenn das Leben an einem seidenen Faden hängt ist das, was man war bedeutungslos. Was zählt ist das, was man ist.
In Grenzsituationen wird bewusst, dass der Himmel gar nicht so weit entfernt ist.
Es gibt Krankheiten, die existieren erst, wenn sie die Krankenkasse anerkennt.
Erst wenn wir das Selbstverständliche verloren haben, erkennen wir des-sen Wert.
Wie wertvoll andere Menschen sind, erlebt man am stärksten, wenn man auf sie angewiesen ist.
Schmerz ist mehr als Wehtun. Von Kopf bis Fuss kriecht er in unsere Zellen und macht uns zum Spielball seiner Launen.
Jeder ist selbst die Quelle seines Elends und seiner Rettung.
Mancher Leidensweg ist lang. Überwindet man ihn bedingungslos, wird das Erlittene zur Kraftquelle.
Das Leben hat immer den Sinn, den wir ihm geben.
Wir denken häufiger, was wir vom Leben erwarten können, als dass wir uns fragen, was wir dem Leben schulden.
Wer die Lebensfreude verliert, ist verloren.
Alles, was wir bewusst über uns ergehen lassen, können wir auch bewusst gehen lassen.
Das Schönste am Leben ist, dazugehören zu dürfen.
Mit dem halben Unglück wissen wir manchmal mehr anzufangen als mit dem ganzen Glück.
Kein Leben ist so wertlos, dass nicht ein Begabter etwas daraus machen kann.
Versuchen wir so zu leben, wie wir am Ende wünschen, so gelebt zu ha-ben.
Weshalb immer ich, fragen wir uns im Unglück, nicht aber wenn wir Glück haben.
Von manchen Menschen weiss man erst, wenn man sie kennengelernt hat, dass sie vorher fehlten.
Wer sich zum Gesundsein keine Zeit nehmen will, wird sich diese zum Kranksein erübrigen müssen.
Viele Krankheiten gedeihen besser, wenn sie der Arzt bestätigt hat.
Wer einer Gefahr ausweicht muss aufpassen, dass er nicht ins Unglück rennt.
Mit einem Freund an der Seite werden auch schwierige Zeiten überwunden.
Einer Krankheit behagt es, solange sie gehegt und gepflegt wird.
Manchmal müssen wir etwas verlieren, um seinen Wert zu entdecken.
Gewisse Leute sind derart auf ihre Krankheit fixiert, dass sie gar nicht gesund werden wollen.
Wenn ich von Schicksalsschlägen verschont geblieben wäre, wüsste ich weniger, wer ich bin.
Wenn wir den Schmerz ertragen und überwunden haben, können wir nicht mehr verlieren, nur gewinnen.
Wer in der Sturm- und Drangzeit seine Gesundheit opfert, um Geld zu verdienen, kann es später ausgeben, um die Gesundheit wiederzuerlan-gen.
Ich denke nicht, dass man nach langen, bangen Nächten, in denen die Minuten zu Stunden werden, weiser wird, dass man aber demütiger, nachsichtiger und versöhnlicher werden kann, dessen bin ich mir sicher.
In einer Grenzsituation wird man zu dem, der man ist.
Manchmal müssen Leiden erduldet werden, um das Alltagleben wieder zu schätzen.
Schicksalsschläge lehren uns, daraus das Beste zu machen und dass man immer an sich selber arbeiten kann. Auch schwierige Lebensumstände sind eine Frage der Sichtweise.
Wie die Schöpfung in kargen Gebieten mit nie erwarteten Kleinoden über-rascht, kann eine Verletzung Lebensmöglichkeiten aufzeigen, die in ge-sunden Lebenslagen nicht einzusehen sind.
Das Leben ist keine Rolltreppe, auf der man auch im Stillstehen weiter kommt.
Je nüchterner ich meine Verletzungen beachtete, desto klagloser habe ich sie überstanden.
Wir sind zu mehr fähig als das, was wir im Wohlbefinden tun.
Auch wenn man an einem Tiefpunkt angelangt ist, darf man nie aufge-ben, sondern dem Leben immer wieder eine Chance zu neuer Entfaltung geben.
In Krisensituationen sind Freunde der verbleibend wertvolle Weizen, wenn sich die Spreu in alle Winde zerstreut hat.
Korrespondenz und Genesungswünsche
Lieber Kurt
Vielen herzlichen Dank für deinen Bericht. Wir sind alle so unendlich froh, dass es trotz deinen vielen schlimmen Verletzungen wieder aufwärts geht mit dir. Wir denken ganz oft an dich und drücken fest die Daumen, dass mit der Heilung alles optimal läuft und du vor allem auch dein Stoma bald wieder rückgängig machen lassen kannst. Gaaanz viele unserer Gäste erkundigen sich nach dir. Zwei Mal haben wir bei Ilse angerufen. Sie hat uns jeweils wieder auf den «neusten Stand» gebracht. Wir hoffen, es ist in deinem Sinn, wenn wir allen mitteilen, dass es wieder langsam bergauf geht mit dir.
Alles Gute und ganz viel Glück auf deinem weiteren Genesungsweg …
Liebe Grüsse aus Seealp
Madeleine, Dani und das ganze Team
Lieber Kurt
Für Deinen Unfall- und Medizin-Bericht möchte ich Dir herzlich danken. Ich bin erschüttert, was Dir passiert ist! Andere wären wohl schon längst ge-storben, aber der Kurt, der übersteht auch diesen schweren Unfall. Wenn man die ganze Bandbreite Deiner Verletzungen ansieht, so sind diese erheblich, aus Deinen Zeilen tönt aber immer wieder der Optimismus von Kurt Haberstich, der ihn immer stark gemacht hat. Ich weiss, das sagt sich so leicht, aber so ist es natürlich nicht...
Ich wünsche Dir von Herzen, dass es Dir bald wieder besser geht und Du wieder bald die Natur - Dein Lebenselixier - geniessen kannst.
Es grüsst Dich herzlich
Lukas
Lieber Kurt
Es fällt uns schwer zu begreifen was Dir passiert ist, wir mussten Deine Nachricht mehrmals lesen, um sie zu verdauen. Das kann doch nicht sein. Der kraftstrotzende Berggänger Kurt Haberstich erleidet aus dem Nichts einen so schweren Unfall. Das erinnert mich sehr an den Hochalpin-Gleitschirm-Flieger Haberstich, der einst vor vielen Jahren in eine Felswand prallte und sämtliche Knochen brach. So schnell kann es gehen, heute topfit und morgen auf der Intensivstation. Du hast in deinem Leben mit deinen Büchern viele Erfolge erleben dürfen und darum hoffen wir, dass Du davon zehren kannst und an deiner momentanen Situation nicht verzweifelst. Wir hoffen auch, dass Du wiederum die Kraft aufbringst, deine körperliche Kondition aufzubauen, um wieder deine geliebten Berge aufzusuchen. Wir sind in Gedanken bei Dir und wünschen Dir eine rasche Genesung und viel Mut und Zuversicht.
Herzliche Grüsse auch an Ilse
Heinz & Lilo Marzohl
Lieber Kurt
Jesses, das ist ja verrückt! Da fehlen einem die Worte.
Unglaublich, wie ein harmloser Einkauf im Coop unvermittelt in so einer Katastrophe enden kann. Gut hast du diesen fürchterlichen Crash überlebt und bist wieder zu Hause. Wir drücken dir alle verfügbaren Daumen, dass du bald wieder gesund wirst und auf deine geliebten Berge steigen oder dich zumindest wieder in der Natur bewegen kannst.
Danke, dass du uns geschrieben hast. Wir denken fest an dich!
Herzliche Grüsse, auch an Ilse
Urs, und auch von Dorothea
Lieber Kurt, mit Entsetzen haben wir Deine Zeilen gelesen und konnten es nicht fassen, was Dir da passiert ist. Die Liste der unglaublich gravieren-den Verletzungen ist ja endlos! Und Du bist auch schon wieder zuhause. Nach der CT wirst Du wissen, wie es weitergeht. Nicht auszudenken, wenn Dir das auf der Autobahn passiert wäre. Und keiner ist ja davor gefeit. Wir hoffen jetzt sehr, dass Du ganz bald wieder vollständig genesen sein wirst, und wünschen Dir natürlich auch die Stärke, die es braucht, um al-les so gut wie möglich zu verarbeiten.
Liebe Grüsse auch an Ilse. Für sie war das ja auch ein grosser Schock.
Lieber Kurt, Dir jetzt alles, alles Gute und viel Kraft in dieser Zeit (wir wissen ja, was Du für ein Kämpfer bist) - wir sind in Gedanken bei Dir!
Alles Liebe von Christl und Ludwig
Hallo Kurt,
ja das ist ein Ding........was alles passieren kann, sieht man wohl wieder einmal in deinem Fall. Das ist wirklich bemerkenswert, wie du dich da wieder aufraffst und voll motiviert den "Alltag" meisterst. Wir haben gerade gesprochen darüber, dass an dem ganzen Unfallgeschehen auch das Glück dabei war, dass Ilse nicht im Auto war und auch nicht andere Personen zu Schaden gekommen sind......nicht auszudenken. Wie geht es Ilse? Wird wohl auch dabei sehr erschrocken sein.
Wir wünschen Dir auf jeden Fall eine gute schnelle vollständige Genesung und weiter Vitalität und Motivation, dein "neues" Leben so gut wie möglich zu meistern.
Liebe Grüsse aus Kastelruth
Paul & Imma
Lieber Kurt
Wie sind wir erschrocken, als wir von deinem tragischen Unfall hörten. Das war sehr heftig. Jetzt ist es besonders wichtig, dass deine Genesung Schritt für Schritt voran geht. Die Hoffnung ist unser Motor und unser Sicherheitsnetz. Die Hoffnung ist unsere treuste Seele die wir haben, sie begleitet dich… und der Galube, woran auch immer, ist die Kraft, die von innen leuchtet. Sie lässt uns den Sinn des Lebens erahnen. Mut ist der erste Schritt auf einem unbekannten Weg, der zum Glück führen kann. Manchmal muss man ihn wagen, um weiterzukommen…
Wir wünschen dir von ganem Herzen viel Glück, Glaube, Mut und Hoffnung und auf deinem Weg des Genesens viele schöne Momente.
Herzlichst Karin und Dani
«Alle Wünsche werden klein gegen den: gesund zu sein.» Spruchweisheit
Lieber Kurt
Deine-E-Mail mit Anhang hat uns bestürzt: es ist unglaublich, was innert Sekunden passieren kann! Und wenn man deine Schilderung der Verletzungen liest, grenzt es an ein Wunder, dass du noch lebst. Dein Schicksal geht uns sehr nahe. Von Herzen wünschen wir dir einen guten und vor allem vollständigen Heilungsverlauf. Mögen die Schmerzen nachlassen und die Körperfunktionen wieder ins Lot kommen!
Sicher musst du aber noch für geraume Zeit Geduld, Energie und viel, viel Mut aufbringen. «Der Mut hat mehr Mittel gegen das Unglück als die Vernunft.» Das schrieb schon im 18. Jh. der französische Schriftsteller Luc de Clapiers, Marquis de Vauvenargues.
In diesem Sinne wünschen wir dir – und natürlich Ilse – das Allerbeste!
Auf gute Genesung und mit herzlichen Grüssen aus Rothrist
Paul und Brigitte
Schnelle Genesung und ganz viel Kraft wünschen wir Dir sowie baldige Heilung, lieber Kurt! Das Leben braucht genug Kraft. Du bist schon immer ein «Aufsteh-Mann» gewesen!
Herzlichst die Leu’s vom Adler
Liebe Ilse, lieber Kurt
Wir wünschen euch für die Genesungszeit viel Kraft und Geduld!
Wirf all deine Last auf den Herrn! (Psalm 55,23)
Fabienne & Maurus Breitenmoser mit Kindern
Lieber Kurt
Zu deinem Geburtstag ganz herzlichen Glückwunsch. Vor allem ganz gute Genesung und viel, viel Kraft…
Wenn es einer schafft, dann bist du es Kurt. Unsere guten Gedanken begleiten dich, häbs eifach guet.
All das wünschen wir dir von Herzen und grüssen dich
Ferdi und alle Staub’s
Lieber Kurt
Wir wünschen dir auf diesem Weg gute Besserung. Ganz viel Kraft, Geduld, Motivation und einen eisernen Willen. Wir denken an dich! Sonnige grüsse aus Sardinien.
Daniel & Jasmin mit Aline & Mael
Lieber Kurt
Wir gratulieren dir von Herzen zum 76. Geburtstag.
Kurt, unsere Gedanken sind viel bei dir mit Gebet und wir wünschen dir gute Genesung. Wir hoffen sehr, dass die Heilung schnell voranschreitet und du bald wieder in dein trautes Heim und Ilse zurückkehren kannst. Kurt viel Kraft.
Herzliche Grüsse Peter & Maria
Lieber Kurt
Wenn man jeden Freitag sich gespannt freut, was da auf seiner Homepage wieder kommt, von einem Menschen der nie krank ist, nie jammert, sein Schicksal annimmt und alles umkehrt in Dankbarkeit, die er in Worte fasst, um uns daran zu erinnern, wie kostbar ein bewusstes Leben sein kann. Wenn da zweimal nacheinander nichts kommt, ist etwas Schwerwiegendes passiert, das seine innere Passion gestoppt hat. Leider ist dem so und seit gestern bin ich Nachts trotz tausenden von Kilometern Distanz immer neben Dir lieber Freund.
Du hast noch viel zu geben!
Liebe Grüsse
Beat und Erika
Lieber Kurt
So oft denken wir an dich und hoffen, dass du Tag für Tag Fortschritte machen kannst. Am Dienstag wanderten wir zu unserem geliebten Seealpsee. Wir gingen natürlich zu deinem Bildstock, für uns der Kraftort und haben dich ins Gebet genommen, dass du bald wieder nach Hause zu Ilse gehen kannst!Auch bei Madlen machten wir einen Halt. Auch sie lässt dich grüssen.
Mit freundlichen Grüssen und besten Wünschen
Manuela + die drei Männer und Agnes & Hans
Lieber Kurt
Gruss vom Alpstein
Gute Besserung
Man wird nie auf alles vorbereitet sein
Man wird nie auf jede Frage eine Antwort haben
Man wird jeden Tag aufs neue überrascht werden
Die Nachrichten deiner Lebenslage haben mich sehr betrübt und nachdenklich gestimmt.von einem Tag auf den anderen ist plötzlich nichts mehr wie es war. Es tut mir sehr leid für dich und Ilse. Ganz von Herzen wünsche ich dir ein stabiles Umfeld das dich trägt und dass du immer wieder den Willen findst nach vorne zu schauen. Ich wünsche dir rasche Heilung, viel Geduld, keine Schmerzen und gute Fortschrittr, einfach das Allerbeste für dich und Ilse.
In Verbundenheit sendet liebe Grüse aus Gonten
Rita Rusch
Mein lieber Bruder Kurt
Meine Nähe zu dir maht es mir einfach dir zu vermitteln, was ich dir mitteilen möchte. Es ist für mich traurig, wenn ich an dich und an deine gegenwärtige Situation denke.da du in guter Obhut bist und die «liebe Ilse» in deiner Nähe ist und mich liebenswerterweise informiert, kann ich nicht viel tun, doch denke und sende ich dir gute Gedanken. Ich weiss, dass du deine Psyche, die du schon viele Jahre trainierst, dir lieber Kurt, zu deiner Heilung hilft und dir zurückholst, was du für deine Energie brauchst. Diese Gabe für dich in Anspruch nimmst, wünsche ich dir von Herzen. Deine persönliche Sichtweise ist und bleibt für mich der Leitgedanken für mein Leben. Dafür danke ich dir und wünsche, dass du für deine Ansprüche deines Lebens und für uns alle belohnt wirst.
Ganz liebe Grüsse deine Schwester Edith
Lieber Kurt
Vielen herzlichen Dank für deine Worte, sie sind ein Aufsteller.
Es freut mich immer noch sehr, dass die Uebrraschung gelungen ist und Du Freude an den Chriesi und den veredelten «Blüten» hattest.
Der Besuch bei Dir hat mich nachhaltig und tief beindruckt. Nicht nur ich konnte dich überraschen, nein, auch Du hast mich total überrascht mit deiner vitalen Erscheinung. Ich möchte da den Satz zitieren, den ich einem guten Staefa-Kollegen (war beim Grillanlass am Mittag in Gossau dabei) auf seine SMS-Anfrage hin schrieb. «Ob ich meinen verunfallten Kollege in guter Verfassung angetroffen habe und ob ich noch gut nach Hause gekommen sei?»
«Ich konnte Kurt mit meinem Erscheinen total und positiv überraschen und er überraschte wiederum mich mit seinem Genesungsfortschritt. Ich traf einen vor Lebenswillen strotzenden Menschen...vor einem Monat noch schwerst verletzt, die Aerzte staunen nur noch» und ich natürlich auch.
Es freut mich sehr, dass Du deinen Geburtstag zuhause feiern durftest und ich wieder von Dir/Euch gehört habe.
Ich wünsche weiterhin gute Genesungsfortschritte und dass es Dir gelingt, der Heilung Zeit zu lassen.
Alles, alles Gute und viel Grüess, auch an Ilse
Ferdi und alli Staub's
Lieber Onkel Kurt
Wie wunderbar von dir zu hören.
So ein Unfall verändert unglaublich das so selbstverständliche Leben und den Alltag. Vieles ist nicht mehr wie es war und das annehmen was geschehen ist, ist wahrlich eine riesige Herausforderung. Die Verarbeitung wie und was passiert ist, kann durch das Erzählen wie der Tag begonnen hat und wie es dazu kam hilfreich sein zu akzeptieren, dass wir vieles aber nicht alles steuern können. Wenn ich lese, wie du den Hergang der Tragik beschreibst, wird mir bewusst, dass du in der Lage bist die Situation zu analysieren und die Achtsamkeit auf den Moment richtest und positiv ausgerichtet bist. Ich bin überzeugt, dass dein gesunder Geist, deine Lebenseinstellung und Lebensweise dir gerade jetzt helfen, dass du Schritt für Schritt ins Leben zuhause zurückfindest.
Die wunderbare Küche, von Ilse hilft bestimmt dich kulinarisch zu verwöhnen, wenn auch anfangs mit schonender Kost.
Zum Glück sind wir nicht alleine…gell, unsere Partner und Freunde an unserer Seite zu haben, schenkt Kraft und Zuversicht. Füreinander da sein ist auch eine Erfüllung. Für die nächste Zeit wünsche ich dir liebenswerte Begegnungen und Momente in denen du glücklich bist.
Liebe Grüsse an dich und Ilse
Karin
Lieber Kurt
Was ist das für eine Nachricht?! Deine Mitteilung von deinem Horrorunfall sitzt tief in meinen Knochen und beschäftigt mich sehr. Unglaublich, darf gar nicht daran denken. Mit welcher Nüchternheit und ohne Klage Du Deine Situation schilderst. Du bist in eine Tätigkeit geraten, die niemals zu Dir passt, wenn ich daran denke, was Du mir immer Erfreuliches erzählen konntest. Ich nehme herzlich Anteil an Deinem Geschick und hoffe sehr, dass die Massnahmen dir helfen mögen, nach allen Eingriffen ein gutes Leben zu führen. Es tut mir so leid, dass Dein Schwächeanfall zu diesem Resultat geführt hat. Ich denke an Euch und freue mich, wenn ich später einen guten, hoffnungsvollen Bericht erhalten werde.
Mit herzlichen Grüssen
Andreas
Lieber Kurt, liebe Ilse
Ganz früh am Freitag habe ich deinen Rückblick gelesen, der gleichzeitig der Anfang sein wird zu der Aufarbeitung des Durchlebten. Dank deiner angeboren Fähigkeit alles irgendwie zu Paper zu bringen wird es nun sichtbar, spürbar werden für diejenigen die dich und dein Dasein in irgendeiner Form schätzen.
Da ich kein grosses Licht bin im Schreiben habe ich mich in anderer (meiner) Weise mit deinem momentanen Schicksal befasst.
Wir hoffen es geht dir täglich etwas besser und dass der Überlebenskampf zwischendurch auch etwas Normalität zulässt.
Liebi Gruess Beat und Erika
Lieber Kurt
Wir wünschen Dir beste und ganz schnelle Genesung, damit Du wieder so energievoll im Alpstein wandern kannst.
Freundliche Grüsse
Cordula + Thomas
Lieber Herr Haberstich,
das klingt und ist ja furchtbar!!!!
Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen gute Besserung, schnelle Verheilung und starkes Durchhaltevermögen bei dem «Zurechtkommen» mit den ganzen Verletzungen. Es ist immer wieder unglaublich, wie ein kurzer Moment das ganze Leben komplett auf den Kopf stellen kann. Ich wünsche Ihnen im Namen des ganzen Teams der Geschenkverlage alles erdenklich Gute - bitte lassen Sie sich nicht unterkriegen!
Herzliche Grüße und beste Genesung!
Anja Wessel vom Groh Verlag
Lieber Kurt
Durch Deinen Leserbrief erfuhr ich, dass mich mein Gefühl ein weiteres Mal nicht getäuscht hat. Von Herzen wünsche ich Dir eine vollständige Genesung. Deiner Gattin, Familie und Dir ebenso viel Kraft, Zuversicht und stets Gottes Segen!
Und:… füttere nicht zuviele Pillen, sonst können wir bei einem Wiedersehen kein Bier miteinander trinken!
Schön und ehrbar ist es auf alle Fälle, dass Du Deinen Helferinnen ein öffentliches Kränzchen gewunden hast. So etwas tut auch den Damen gut, wie auch den Helfern. Vergelts Gott!
Ganz herzliche Grüsse
Dein Anselm
Lieber Kurt
Schon ist eine ganze Weile vergangen seit deinem tragischen Unfall. Wir hoffen, es gehe dir ein wenig besser und wünschen dir, dass du baldmöglichst wieder in ein schmerzfreies und akzeptables Leben zurückfinden kannst.
Alles Liebe und Gute für dich und Ilse
Paul und Brigitte
Leserbrief im Appenzeller Volksfreund vom 3. September 2024
Spitex-Verein Appenzell Innerrhoden als Vorzeigemodell
Nach einem fatalen Autounfall, geringer Überlebenswahrscheinlichkeit, längerem Intensivstations- und anschliessendem Rehaklinik-Aufenthalt, stand einen Tag, nachdem ich wieder zuhause war, eine autorisierte Pflegefachfrau vom Spitex-Verein Appenzell Innerrhoden vor unserer Tür, um die Bedarfsabklärung vorzunehmen.
Seither kommt jeweils zwei Mal wöchentlich eine der versierten Pflege-rinnen und unterstützt mich bei der anspruchsvollen Behandlung meiner noch bestehenden Verletzung. Ohne die professionelle Hilfe wüssten meine Frau und ich nicht, wie wir diese gewissenhafte Tätigkeit selber be-werkstelligen könnten. Deshalb freuen wir uns jedes Mal, wenn es zwi-schen 10 und 12 Uhr klingelt und eine der motivierten und freundlichen Fachfrauen vor der Tür steht.
Was dieses lobenswerte Team, von der vorbildlich organisierten Planung bis zum Hausbesuch, mit Fachwissen, Hingabe und ausgeprägter Sozial-kompetenz zu meinem Wohlbefinden bisher geleistet hat, ist bewun-dernswert und übertrifft alle unsere Erwartungen. Ohne diesen uneigennützigen Beistand würde es mir heute nicht so gut gehen. Dafür danken meine Frau und ich allen Beteiligten von Herzen. Nie werden wir diese selbstlosen Einsätze vergessen. Wir wünschen, dass ihnen allen dafür gleichwertige Dienstleistungen in allen Lebenslagen zugutekommen.
Sollte ich erneute Hauspflege benötigen, weil ich in naher Zukunft noch zwei Operationen vor mir habe, werde ich mich bereitwillig und zuver-sichtlich den „pflegenden Händen“ vom Spitex-Verein Appenzell anvertrauen.
Kurt Haberstich, Untere Brestenburg 4, 9050 Appenzell
Herzlichen Dank
Spital Herisau
Dr. med. Sebastian Wolf, Chefarzt Cirurgie
Dr. med. Nina Pfeifer, Oberärztin Chirurgie
Dr. med. Melinda Schlink, Assistenzärztin
Dr. med. Christian von der Lippe, Facharzt für Chirurgie
Dr. med. Titus Cirebea, Facharzt Chirurgie, Oberarzt
Dr. med. Simon Ritter, Chefarzt Innere Medizin und Intensivmedizin
Dr. med. Alois Haller, Leitender Arzt & Stv. ärztlicher Leiter Intensivmedizin
Christina Chatzlioannidou, Wundexpertin SAfW & Stomatherapeutin
Romy Stacher, Teamleitung Intensivstattion
Kay Knoch, Stv. Stationsleiter Pflege, Intensivstation
Agata Hellfeier, Pflegefachfrau, Intensivstation
Matthias Vetter, Pflegefachkraft, Intensivstation
Igor Lukic, Pflegefachkraft, Intensivstation
Was die oben genannten Fachärztinnen und Fachärzte mit ihrem autorisierten Pflegefach-Team vom Spital Herisau an den insgesamt drei Operationen und den jeweils nachfolgenden Tagen und Nächte mit Fachwissen und Hingabe zu meiner Lebenserhaltung leisteten, ist bewundernswert und mit Worten schwer auszudrücken. Ohne euch alle gäbe es mich nicht mehr. Dafür danken meine Frau und ich allen Beteiligten von Herzen. Nie werden wir diesen aussergewöhnlichen Beistand vergessen und wünschen, dass allen dafür gleichwertige Dienste in allen Lebenslagen zugutekommen. Gebürender Dank geht auch an alle nicht namentlich genannten «weissen Engel» für die selbstlose und professionelle Pflege.
Ebenfalls danke ich von Herzen allen «Unbekannten», die am Unfalltag blitzschnell reagierten und wertvolle erste Hilfe leisteten. Ihr alle habt dazu beigetragen, dass ich noch da bin und wieder genesen konnte. Eingeschlossen in den Dank gehören auch die nicht namentlich erwähnten Rettungskräfte, Polizisten, Angehörige der Oel- und Stützpunktfeuerwehr, die dafür sorgten, dass beim Unfall alles geregelt ablief und Bevölkerung und Umwelt schadlos blieben.
Rehaklinik Dussnang
Dr. med. Harry H. Gebhard, Chafarzt
Dr. Stephan Schlampp, Chefarzt
Dr. Anita Schulz, Leitende Ärztin
Anita Hirschi, Pflegefachfrau / Stoma-Beraterin
Nelli Kerber, Pflegefachfrau für Wundheilung
Pflegefachfrauen und Therapeutinnen
Den oben erwänten Ärztinnen und Ärzten und ihrem fachkundigen Mitarbeiter-Team spreche ich den ihnen zustehenden Dank aus. Sie alle waren mir eine grosse Hilfe bei der Erlangung meiner wiedergewonnenen Lebensform.
Für die fachkundige Betreuung und die patientengerechte Einsatzplanung, die ich während meiner Stoma-Zeit erleben durfte, danken meine Frau und ich allen Beteiligten vom Spitex-Berein Appenzell Innerrhoden von Herzen. Ohne diese freundliche und gewissenhafte Pflege wäre meine Genesung um einiges problematischer verlaufen.
Kathrin Birrer vom physiopunkt in Appenzell und ihrer Mitarbeiterin Soraya Premerlani gebührt ebenfalls ein herzlicher Dank für die jeweils gezielten Behandlungen, die mir zu einem nahezu schmerzfreien Dasein verholfen haben.
Dr. med. Christian Todt und seinen Assistentinnen im Medizinzentrum Appenzell danke ich herzlich für die fachgerechte und schmerzfreie Entfernung der Klammern und die weitere Betreuung.
Ein ganz besonderer Dank geht an meine geliebte Ilse, die während meiner Abwesenheit trotz Kummer und Ungewissheit zu Hause alles im Griff hatte und mir in allen Belangen, ohne zu hinterfragen weshalb, zur Seite stand. Auch daheim war sie mir während der ganzen Zeit eine enorme Stütze. Ohne ihre bedingungslose Hilfe und Treue wäre es für mich schwierig und teilweise nicht möglich gewesen, diese Phasen durchzustehen.
Unseren lieben Freunden Rita und Klaus Rempfler danken Ilse und ich von Herzen für die überaus freundschaftliche Unterstützung, die ihr uns während meiner Genesungszeit selbstlos habt zukommen lassen. Nie werden wir euren uneingeschränkten Beistand vergessen und sind überzeugt, dass ihr dafür in allen Lebenslagen dafür reichlich entschädigt werdet.
Ein spezieller Dank geht an meinen Künstlerfreund Beat Rosenberg, der mir in allen Zeiten hilfreich zur Seite gestanden ist und zudem die eindrückliche Skulptur zu meinem Trauma geschaffen hat, welche ich als Buchumschlag verwendete.
Ein extra Dank geht an meinen «weltlichen Schutzengel» Emma, die bei der dritten OP mit Fernheilung viel zum guten Gelingen beigetragen hat.
Gebührender Dank richtet sich an alle Verwandten, Freunde und Bekannten, die mir während meinem Weg ins «gewohnte Leben» in Briefen, Karten, Mails, Anrufen Mut, Kraft, Zuversicht gute Genesungswünsche zukommen liessen und mit Besuchen und Geschenken viel Freude bereiteten.
Rückmeldungen zu diesem Bericht
Hallo, lieber Kurt
Inzwischen lasen wir die vielen Seiten, die du uns geschickt hast, in Intervallen durch. Hab lieben Dank für den Report eines tragisch-verrückten Unfalls, der dich fast das Leben kostete.
Was für ein Glück, dass du dich mit viel Mut und enormer Anstrengung ins Leben zurück gekämpft hast!
Sicher ist dieser Bericht in Buchform für dich eine Art von Bewältigung und ein wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Therapie.
Paul und ich wünschen dir weiterhin beste Heilungserfolge und Ilse viel Kraft und Geduld mit der Situation.
Uns geht es dem Alter entsprechend ganz ordentlich.
Mit herzlichen Grüssen,
Brigitte Fuchs
Lieber Kurt
Schon oft habe ich an Dich gedacht und wollte fragen, ob ich Dich sehen könnte. Dieser Bericht ist gewaltig, eine ausführliche Krankengeschichte, die erdrückend wirkt, aber vielmehr Deinen Lebenswillen zeigt und be-weist. Ich finde sie einmalig. Habe bis jetzt nur Ausschnitte daraus gelesen. Aber eindrückliche.
Wie wird man mit einem so gewaltigen Ereignis fertigt. Da kann ich Dich nur bewundern. Wer Dich kennt, wird sagen, das bewältigt einer wie Kurt. Ein anderer verzweifelt an einem solche Unfall.
Ich war in der Zwischenzeit auch zweimal im Spital und in der Erholung, das 1. Mal im Juli, das zweite Mal nach einer langen Behandlung eines hartnächtigen Bronchialhustens ambulant, dann im Februar wieder eine Woche im Kantonsspital und wieder 2 Wochen in einem Erholungsheim.
Das hinderte mich viel zu reisen.
Nun endlich höre ich wieder von Dir. Welch ein ausführlicher Bericht und der wunderbaren Pflege auch durch Deine Frau. Lasse sie grüssen. Man wird ja immer mehr auf Menschen, die man liebt und gern hat angewiesen. Das geht mir ähnlich, aber doch mit Umständen, die in keiner Weise mit den Deinen vergleichbar sind. Ich hoffe Dich bald wieder sehen zu können und Deine Krankengeschichte auch mündlich zu besprechen. Dir also herzlichen Dank und alles Liebe und Freundschaftliche
Andreas Iten
Guten Morgen Hr. Haberstich
Natürlich kann ich mich an sie erinnern. Wie geht es Ihnen? Ich hoffe in-zwischen wieder richtig gut. Schön das sei an mich gedacht haben. Ich werde gerne Ihr Buch lesen. Das Titelbild sieht schon sehr vielversprechend aus.
Viele sonnige Grüsse aus Goldach,
Sandy Walbert
Pflegedienstleitung/Gesundheitsbeauftragte
Dipl. Pflegefachfrau HF
HPV Rorschach
Hoi Kurt
Danke für deinen unglaublichen Bericht. Ich habe ihn geradezu ver-schlungen und dabei mitgelebt, mitgelitten und auch mal geschmunzelt, wenn du wie ein Magnet Schnarcher angezogen hast. Es ist absolut bewundernswert, mit welch positiver Energie du alle Hürden überwinden kannst, die dir das Leben stellt. Ich wünsche dir, dass deine Genesung weiter fortschreitet und du ohne Einschränkungen wieder deine geliebten Touren unter die Füsse nehmen kannst!
Mit herzlichen Grüssen, auch an Ilse, aus dem regnerischen Wynental,
Hans und Gaby
Lieber Kurt!
Wir sind ganz erschrocken, als wir vor einigen Tagen deine Nachricht er-halten haben. Da hast du ja eine gewaltige Höllenfahrt hinter dir. Wie ein einziger Augenblick - ein kurzer Wimpernschlag - das Leben vollkommen umkrempeln kann!!!
Unvorstellbar ist das, was du durchmachen musstest. Während des Le-sens deines Berichtes musste ich immer wieder mit Entsetzen denken: "Boah, und zu allem andern kommt das auch noch dazu", als ob es nicht genug wäre, mit Schmerzen im Krankenhaus zu liegen. Wieviel kann ein Mensch ertragen?
Wir sind froh und erleichtert, dass es dir wieder besser geht - dank deiner enormen Willenskraft, deiner super Fitness, deinem unerschütterlichen Optimismus und deiner Zuversicht - und dank vieler guter Schutzengel um dich herum. Und Gottseidank hast du deine liebe Ilse!
Wenn man ganz tief unten liegt, dann kann es nur mehr aufwärts gehen!
Wir wünschen dir, dass es nun nur mehr aufwärts geht und dass du dein Leben mit deiner lieben Ilse umso mehr genießen kannst.
Weiterhin viel Kraft und Zuversicht für dich und Ilse wünschen
Thomas und Martina aus Teis (Südtirol)
Lieber Kurt
Mit Interesse und Anteilnahme haben wir den Bericht über deinen Unfall gelesen. Es tut uns leid, dass du so dramatische, schwierige Zeiten durchmachen musstest. Und wir sind beeindruckt, wie du dich zum zwei-ten Mal wieder ins leben zurückgekämpft hast. Zum Glück bist du eine starke Kämpfernatur und hast dazu in Ilse eine wunderbare Unterstüt-zung. Wir hoffen, dass deine Genesung weiter gut voran schreitet und dich Kraft, Mut und Durchhaltevermögen auch in Zukunft tragen.
Möge euer Lebens-Schiff nach diesem schweren Sturm nun wieder in ruhigere Gewässer gleiten und die Zukunft euch gute Tage bescheren.
Wir wünschen euch beiden von Herzen alles Gute!
Mit lieben Grüssen eure alten Nachbarn aus dem Luzernischen
Irmgard + Andreas
Hallo Kurt
Schön zu hören, dass es mit dir wieder aufwärts geht dank deines unbändigen Willens.
Liebe Grüsse auch an Ilse auch von Imma
Paul
Lieber Kurt, entschuldige bitte, aber jetzt stellen wir fest, dass wir noch immer nicht geantwortet haben.
In Deinem Buch / Unfallbericht / haben wir alles nochmal nachvollziehen können und es rieseln Schauer über den Rücken.
Zugleich tut es uns unglaublich leid, dass das DIR passieren musste, der Du sooo voller Tatendrang und Energie bist.
Und nun musst Du alle Energie aufwenden, um Dich wiederherzustellen. Das Leben wartet doch immer wieder mit bösen Überraschungen auf.
Lieber Kurt, wir wünschen Dir von ganzem Herzen weiterhin viel Kraft, um wieder vollständig zu regenerieren - soweit das überhaupt möglich ist.
Herzliche Grüsse und alles Liebe
von Christl und Ludwig
Lieber Kurt
Ich bin Deinen Bericht nochmals durchgegangen und staune, was Du alles zu berichten weisst. Pünktlich und genau und mit Bildern, die mich erschrecken. Dass es schwierig sein könnte, dass ein Verlag das Buch ver-öffentlichen wird, hat mit der Faktentreue zu tun. Es ist nichts Poetisches und Fiktives zu lesen, was über den Schmerz dieses Unfalls und der Krankheit mit den Operationen hinweghelfen will, ausser einige sehr wei-se und wichtige Sätze. Man erschrickt fast beim Lesen. Aber Dein Satz: Es gelte darauf zu achten, dass das Leben nicht inhaltleer wird, ist ein grossartiger und sehr kluger Satz. Dieser Satz kann ich mir einprägen und ich handle nach ihm wie mit einem Medikament. Es ist ein weiser Satz. Aber wie schafft es einer, der wie Du ein tätiger Mann warst? Wenn ich Deinen Text durchgehe, erinnert mich vieles an Dinge, die wir besprochen haben. Du warst ein leidenschaftlich engagierter Mensch und wirst es auf Deine Weise bleiben. Wie eingeschränkt Du bist, bleibt für mich ungewiss. Aber Du sagst selbst im Bericht, dass einer wie Du nicht aufgeben wird. Das finde ich bewundernswert. Dass Du in Deiner Frau eine grosse Stütze hast, kannst Du mit den von Dir selbst gewählten Worten von Dankbarkeit und dankbar usw. ausdrücken. Ich bin für Dich sehr froh und da sieht man wie grossartig es sein kann, mit einer geliebten Persönlichkeit ins Alter zu gehen. Das ist mir nicht vergönnt, obwohl ich auch von fraulicher Unterstützung zehren darf.
Nun noch zu Deinem Aphorismus würdigen Satz, es gilt zu schauen, dass das Leben nicht inhaltsleer wird. Das ist für mich wie ein Grundgesetz des Daseins. Wann können wir uns wieder sehen? Eine Reise nach Appenzell ist in der Zwischenzeit so ziemlich die längste Strecke, die noch wage zu gehen.
Dir und Deiner lieben Frau Ilse freundschaftliche Grüsse
Andreas Iten
Lieber Kurt
Endlich antworte ich Dir. Ich wusste wirklich nicht recht, was ich Dir schreiben soll. Wie wäre es mit einem Rat von mir?
Wenn Du wieder Mal ein neues Buch schreiben willst und kein Thema findest, bitte fahre nicht wieder in eine Hauswand, es gibt einfachere Wege und ich denke, Du hast ja so eine blühende Fantasie, dass Dir auch sonst etwas Spannendes einfällt.
Nun im Ernst: Lilo und ich haben Dein Krankenbericht-Buch gründlich gelesen und sind eigentlich nicht extrem überrascht, dass Du es mit Deinem starken Willen und dem dir eigenen Optimismus geschafft hast, wieder auf die Beine zu kommen. Hut ab!
Du hast es ja in Deinem Bericht richtig geschrieben; trotz Deinem persön-lichen grossen Leid und Schmerz, musst Du Dir wenigstens kein Gewissen machen, anderen Personen geschadet zu haben. Ein paar Sekunden später wäre es möglicherweise nicht nur eine Sitzbank gewesen, sondern eine Ansammlung von Menschen. Kann es sein, dass trotz deinem grossen Unglück dennoch jemand die Hand über Dich gehalten hat?
Bitte grüsse auch Ilse von uns
Heinz & Lilo Marzohl
Lieber Herr Haberstich
Danke für Ihren Bericht. Das ist ja unglaublich! Was Sie da erlebt haben, kann man sich nicht vorstellen. Dass Sie es überlebt haben, verdanken Sie zum grossen Teil sich selber, Ihrem Willen und Ihrem Durchhaltevermögen. Für Ihren minuziösen Bericht mussten Sie ja laufend Tagebuch führen. Auch dafür brauchten Sie Disziplin. Aber es hat Ihnen sicher bei der Verarbeitung des Erlebten mitgeholfen. Er wird Ihnen auch später helfen, wenn Sie vieles vergessen haben werden. Churchill schreibt in seinem Buch «Der Zweite Weltkrieg»: «Bei Kriegserinnerungen soll man stets die offiziellen Protokolle zu Rate ziehen, denn man kann sich nicht mehr an die genaue Reihenfolge der Ereignisse erinnern.» Ihr Bericht ist ein offizielles Protokoll.
Aber Sie hatten ja schon vorher einen Unfall mit dem Gleitschirm. Das war wohl auch keine Kleinigkeit.
Ich gratuliere Ihnen zur Genesung herzlich!
Nun wünsche ich Ihnen, dass Ihre Genesung kontinuierlich weitergeht, wenn auch zunehmend langsam.
Freundliche Grüsse
Peter T. Frei